Schwesterliebe. löl
Da glänzt der Fels im hellsten Sonnenblickc,
Als brach' ein wunderbarer Morgen an,
Und drinnen schallt's mit leisen Geistcrtöncn:
Nun muß der alte Zauber sich versöhnen!
Und dumpf erdröhnt es in den Felsenwänden,
Und leise regt sich's in der Erde Schooß,
3lls löste d'rin mit unsichtbaren Händen Der Gnomen Schaar das Band der Blume los.
Schon schicn's, als sollte sich der Zauber enden.
Der Kelch sich öffnen, der so viel verschloß.
Doch steht die Blume vor den fremden Zeugen Nur schüchterner in tiefem, ernstem Schweigen.
Denn an dem Quell erst sott sie sich entfalten.
Beim Kuß der reinen heimathlichen Fluth,
Nur dort darf sich der zarte Leib gestalten.
Der Wangen Zier, des Mundes Purpurgluth,
Die Reize alle, die vom Bann gehalten.
Verborgen in dem tiefen Kelch geruht! —
Gehorsam lösen jetzt der Schwestern Hände Huldinens Fessel, daß ihr Zauber ende.
Und langsam tragen sie die hohe Blume Gleich einer lichten Kerze vor sich her,
Still athmend, wie in einem Heiligthumc,
Wagt keine jetzt das kleinste Wörtchen mehr;
So enden sie, berauscht von süßem Ruhme,
Die steile Bahn, und schreiten stolz daher.
Beruhigt blickt der Freund auf sie hernieder.
Hell strahlt ihr Sieg, das Leben hat sie wieder.

