156 Schwesterliche.

Denn wie die zarte Knosp' in nächt'ge Stille Sanft eingehüllt, der Blüthe Form gewinnt,

Wie unbemerkt, in dichtgcwobncr Hülle,

Die Raupe sich zum Schmetterling entspinnt:

So scheint es, daß in tiefer Wogen Fülle Der Jungfrau liebliche Gestalt beginnt;

Doch darf kein Blick das süße Wunder schauen, Dem tieften Sinn nur will es sich vertrauen.

So wird jetzt vor der Schwestern Scclcnblickc»

Ein wunderbar Geheimniß wohl enthüllt.

Es glänzt ihr Aug' in seligem Entzücken,

Als schaut' es in ein schöneres Gcfild';

Man sieht sie schweigend sich die Hände drücken, In trunkner Freude an dem holden Bild.

Ihr eignes Glück ist's, was sie in dem blauen, Krystallncn Spiegel schöner wiedcrschauen.

Wohl bleibt es stumm in ihrer Brust verschlossen. Was sie in jener stillen Fluth erspähn.

Doch scheinen sie, von lichtem Glanz umflosscn.

Ein ähnlich Bild am Uferrand zu stehn;

So kann man oft dieselben Blüthcnsprossen Am Quell und in der Quelle Spiegel sehn.

Und scheinen jene auch zurückzuweichen,

Man weiß, das Spiegelbild muß ihnen gleichen.

Die Woge sinkt, die matten Kreise schwinden Und bleichen mit des Abends letzter Gluth,

Die Welle eilt, das stille Bett zu finden.

Und nächtlich ruht die tiefe, dunkle Fluth;