„L-chmen Sie das nach der Apotheke, gnädige Frau! Nach jedem Anfall von Unordnung, der eintritt, einen Eßlöffel voll, aber nicht augenblicklich, sondern erst Abends vor Schlafengehen zu geben. Damit Sie sich nicht unnöthig beunruhigen, sage ich Ihnen die Wirkung im Voraus. Das Krankheitssymptom oder, deutlicher gesagt, der Gegenstand, an dem die Unordnung sich gezeigt hat, wird auf der Stirn des kleinen Patienten in rother Schrift zum Vorschein kommen und darf, wenn nicht großer Schaden für ihn entstehen soll, erst nach einigen Stunden dadurch entfernt werden, daß Sie ihm die Stirne mit etwas von der Arznei waschen. Nur dadurch kann der Krank- heitsstoff nach und nach aus dem Leibe getrieben werden." Damit nahm der Doktor seinen Hut, sagte der Mutter Adieu und ging, ohne auch nur nach dem Bübchen sich umzusehen. Dieser aber stürzte seiner Mutter laut schluchzend um den Hals, so wie er mit ihr allein war, und bat sie flehentlich, das schreckliche Recept nicht machen zu lassen, er wolle auch nie wieder unordentlich sein! „Gemacht wird das Recept," sagte die Mutter freundlich, „aber es liegt ja nur au Dir, daß Du vernieidest, es einnehmen zu müssen. Wenn die Krankheit in Zukunft ausbleibt, so brauchen wir keine Medicin dagegen!"
Das war doch noch ein Trost, bei deni des Bübchens Augen sich trocknen ließen. Ganz gewiß, er wollte von Stund an ein Muster von Ordnung und Akkuratesse sein, dann hätte der abscheuliche Doktor sein Recept für nichts und wieder nichts aufgeschrieben. Daß die Mutter darauf bestand, sein Bild

