Glase, nahm die Mühe ab, und näherte sich der Kleinen, die mit ihren munteren blauen Augen ihn sogleich bemerkt und als den Rechten erkannt hatte. „Nicht wahr," Mamsellchen," sagte er, „Sie sind die Mamsell Mildner, die kleine Nichte, die zu uns kommen soll?"
„Wenn Sie," antwortete das Mädchen, „bei dem Herrn Professor Bronner in Diensten stehen, so bin ich die Nichte, und Dorothea Mildner heiße ich."
„Schön, Mamsellchen! aber nehmen Sie's nicht übel, der Herr Onkel sind Hofrath geworden, also bin ich bei dem Herrn Hofrath Bronner in Diensten."
„Desto besser," sagte Dorothea, und fragte dann: „Wie heißen Sie doch?"
„Casimir," entgegnete der Kutscher, „Ihnen aufzuwarten, Mamsellchen, Casimir Held. Aber Sie werden wohl ein wenig warten müssen, denn Ihr Reisegefährte ist noch nicht da."
„Da kommt er ja eben!" rief das Mädchen und blickte auf den südlichen Weg.
Der Wagenführer, erstaunt nichts gehört zu haben, drehte sich schnell mit seiner ganzen stämmigen Person um, und sah zwar keinen Postwagen —- der kam erst einige Minuten darauf nach — aber einen jungen Menschen von etwa fünfzehn Zähren, im leichten Reisekleide und ein Stöckchen in der Hand, im muntern Wanderschritte daher kommen. „Sie irren sich wohl, Mamsellchen, wäre das der Fritz? Er kann noch nicht so groß sein. Kennen Sie ihn denn?"
„Nein; aber er ist es gewiß."
„Während dieses Meinungskampfes war der Jüngling näher gekommen, nicht ohne die beiden Wartenden, nebst Wägelchen und Post, genau gemustert zu haben. Er stellte sich dann vor die junge Reisende, maß sie mit einem Blicke, worin Unbefriedigung und Mitleid sich ver-

