„Schneide Deine Locken ja zur rechten Zeit ab," fuhr Dorothea fort, „oder fasse sie wenigstens zusammen, wenn Du Dich verbergen willst, daß keine hervorguckt und Dich »erräth, wie es dem armen König Enzio geschah."
Fritz fuhr unwillkürlich in seine Haare. „Das war entsetzlich," ries er; „freilich was man Glück nennt, haben wir einmal nicht; aber," corrigirte er sich, „das macht die Hohenstaufen nur um so größer! — DaS ist Sinzheim, Thea," unterbrach er sich hier als ersahrner Führer. „Du rühmtest anfangs," setzte er dann sein Thema fort, „die Treue der Weiber von Weinsberg, liebe Thea, aber Du mußt auch den Kaiser Konrad erheben, der einen so rührenden Betrug so gut aufnahm, und den Buchstaben aus Gnade gelten ließ, statt dem Geiste seines Wortes, seiner wahren Meinung zu folgen."
„Ei," rief Dorothea mit mehr Lebhaftigkeit, als sie bis jetzt gezeigt. „er that nur seine Schuldigkeit, er sah ein, daß die Frauen sein Wort besser verstanden und erklärten, als er selbst."
Fritz antwortete darauf nichts, sondern sagte nach einer kleinen Pause, innerlich lachend: „Es mag erzdrollig ausgesehen haben, wie die Weiber sich so aus den Thoren drängten, mit ihren schweren Männern auf dem Rücken! — Dir. mein armes Bäschen, würde eS schlimm ergangen sein, wenn Du dabei gewesen wärest. Solch ein kleines Dingelchen, wie Du, könnte keinen Mann tragen."
„Ertragen vielleicht eher," dachte Dorothea, doch sie sagte sanft: „O ich kann noch wachsen und stärker werden, bin ich doch erst vierzehn Jahre alt."
„Schon vierzehn!" ries der Vetter erstaunt, „wenn man Dich so sieht, sollte man Dich für zwölf halten. Da bist Du ja von meinem Alter! — aber wohl eben erst vierzehn geworden?"
„Am dritten März," entgegnete Thea.
7

