ohne Weiteres aufstehe», zur Tante gehen und sie um die Bedeutung ihrer dunkeln Zeichensprache fragen? Nein, daS darf ich nicht, sie sprach nur von Winken. Und wie würden mich wohl die beiden Nachbarn der Tante, der vornehme Besternte und der alte Hochgelehrte, ansehen, wenn ich so aus einmal ankäme?" Siehe, da ließ in dem heftigen Kampfe innerer Gefühle die Tante ihr spitzenumsäumtes Nastüchlein auf die Erde fallen, ohne es zu gewahren; jetzt stand Dorothea leise auf, schlich sich zur Hofräthin, hob das Tuch aus und gab cö ihr; diese, statt alles Dankes, flüsterte ihr hastig zu: „Die Knallbonbons im Küchenschrank, und das Eis. schnell!"
Lautlos, in Gedankeneile, entschlüpfte die kleine Botin. Gefrorenes kannte sie von Hörensagen, jedoch von Knallbonbons war nie ei» Laut in die beschränkten Kreise der mütterlichen Wohnung gedrungen. Indeß ließ sie davon nichts merken, sondern theilte den Befehl der Herrin dem Dienstpersonal in der Küche mit. „DaS Eis ist da, und kommt gleich auf die Tafel," rief Casiinir, der eben seine sämmtlichen Dessertgeschütze ordnete, „aber die Knallbonbons haben die Frau Hofräthin gar nicht herausgegeben."
„Sie sind im Küchenschrank?"
„Wo ist aber der Schlüssel zum Küchenschrank?"
Dorothea wußte eS nicht, sie mußte ihn suchen. Rathlos eilte sie in den Salon, da lag ein Schlüsselbund auf einem Tischchen, nahe der Thür. Es ergreifen, in die Küche eilen, war das Werk eines Augenblicks. Der rechte Schlüssel war der Köchin bekannt, die vielfarbigen, schönbefranzten Fcucrträger wurden von der Haft befreit, und Dorothea saß längst wieder an der Seite ihres stummen Nachbars, der ihre Abwesenheit, verloren in Welthändel, kaum bemerkt hatte, als der reizend geordnete Nachtisch vollständig anrückte und volle Anerkennung davontrug. Aus Neugierde nahm Dorothea eins jener seltsamen Bündelchen
-.22

