ihm, der seinem Bruder Kurt und einem andern Gefährten immer voraus gewesen war, als die Drei bei dem Hauslehrer lernten.
Der Onkel jedoch, der ganz harmlos neben ihm herging, sagte: „ES giebt für einen talentvollen Jungen von tüchtigem Streben keine günstigere Lage, als die, einen strengen, vielfordernden Lehrer und begabte Mitschüler zu haben; da» treibt, das spornt! Du bist jetzt in dem Falle, Fritz. Benutze das! Hättest Du einen schlaffen Lehrer, wärest Du der Fähigste, Vorgerückteste in der Klaffe — adieu Fortschritt! Ich wünsche Dir Glück, daß dem nicht so ist!"
Fritz fand zwar keineswegeS, daß sein niedriger Standpunkt Glückwünsche herausfordere, doch überzeugte er sich bald, als er in die Klaffe eintrat, daß der Direktor ihn nicht unterschätzt habe, ja daß auf seinen tüchtigsten Fleiß gerechnet sei, wenn er mit den andern Schülern seiner Klaffe, unter denen er nur durch seine Größe sich auszeichnete, in gleicher Linie fortkommen wolle. Was Fleiß, was Studiren sei, lernte er jetzt recht ordentlich kennen, nebenbei auch den Anfang der Weisheit, die Gewißheit nämlich, noch sehr wenig zu wissen.
r Bei dieser unleugbaren Veredlung gelang es ihm indeß keineöweges, sich bei der Tante in Gunst zu setzen; sie fand ihn roh, nachlässig und unangenehm. Bald hatte er beim Hereintreten die Thüre offen gelassen, oder sie zu stark angezogen, bald fand sich ein Buch von ihm in der Wohnstube, oder er hatte gar ein nicht unbedeutendes Stück vom Erdreiche des Gartens mit ins HauS getragen. „Nein, eS ist unerträglich mit dem Jungen," fuhr die Klagende in ihrer mürrisch eifrigen Weise gegen ihren Gatten fort; „gestern Abend, als Du nicht mit uns aßest, kam der junge Herr in seiner gewöhnlichen, sorglosen Art herunterge- schlendert, und wie stellte er sich dar? Der Halskragen saß ihm schief, der eine Aermel war ihm umgeschlagen, als wenn er ein Fleischer wer-
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