etwas an JritzenS Benehmen tadelte, und er in sehr sorgloser Weise darauf antwortete, sprach der Onkel so ernste Worte, daß der Neffe erblaßte und eine Entschuldigung stammelte.
Künftig nahm er sich mehr in Acht, beschaute sich, ehe er in jene Gemächer der strengen Gesetzlichkeit eintrat, im Spiegel, und seufzte oft: „So liegt doch die Zuchtruthe dieses bösen Weibes auf meiner freien Seele! Doch nicht aus immer. Jetzt bin ich nur ein Pennal, einst werde ich ein flotter Bursch sein. Geduld, Geduld, und wieder Geduld!"
Dorothea hätte mehr noch nöthig gehabt, nach dieser Helferin zu seufzen; sie war durch verschiedene Vorbereitungen jetzt in dem ordentlichen Fegefeuer der Wäsche angelangt. Zwar wurde diese nicht im Hause vorgenommen, sondern einer Wäscherin übergeben; aber die Mühe dabei war unendlich. Wohl kannte Dorothea das Aussuchen, Sondern und Zählen der Wäsche, weil eS ihre Mutter auch gethan; doch die unzähligen Unterabtheilungen, welche die Tante mit einer so strengen Theoretik aufrecht erhielt, daß sie eines Gelehrten würdig gewesen wäre, die Erforschung, fast Ausmessung, dann Aufzeichnung der etwaigen Män- gel derselben, die aber bei Leibe nicht jetzt ausgebessert werden dürfte» —> waren ihrem einfachen Geiste nie erschienen. Den höchsten Punkt erreichten diese Mühen, wen» die gereinigte Wäsche wieder abgeliefert wurde; dann ging'ö an ein Zählen und wieder Zählen, Vergleichen, Ausbessern in allen Schattirungen, Plätten, und vorzüglich an ein Klagen und Jammern, daß die arme Kleine, welche den Grund dieses Elends gar nicht begriff, sich wahrhaft verwirrt im Geiste fühlte. Zudem war eS das herrlichste Wetter; man sah es sogar der Wäsche an, sie war blendend. — Der Onkel ging mit Fritz hinaus ins Freie, nach dem Wolss- brunnen; sie luden Thea ein, sie zu begleiten; diese hob unwillkürlich den Fuß, doch die Tante zeigte sich empört über ein solches Ansinnen, und Dorothea blieb zu Hause und stopfte Strümpfe.
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