zwar nicht durch Herzlichkeit oder freundlich anetckennende Worte, doch dadurch, daß sie ihr manche Leistung im Haushalte, manche Aufsicht, ohne sie fortwährend ängstlich zu controliren, überließ, und so ward die kleine Thea nach und nach eine geachtete, ja bedeutende Person im Bron- nerschkn Hause.
Fritz konnte sich keineSweges so herrlichen Erfolges rühmen; wohl brachte der Onkel in Erfahrung, daß der junge Hochburg sehr fleißig sei, daß er jedenfalls bei der nächsten Prüfung nach IInter-Sekunda fortrücken werde, doch gab es manche Notiz nebenher, die den väterlichen Freund weniger erfreute. Bald hieß eI. der junge Hochburg sei unverträglich gegen seine Mitschüler, bald ward Nachlässigkeit in seinen Pflichte» an ihm getadelt, bald ein Mangel äußerer Ehrerbietung gegen seine Lehrer. Und welch tausendfaches Echo dieser Beschuldigungen klang dem Hofrath täglich in die Ohre», wenn er in den Räumen seines Hauses verkehrte! Molch behauptete, Fritz sei die größte Last ihres Lebens, ein wahrer Mühlstein für ihre Seele; sie wollte nichts Gutes an ihm gelten lassen, und sie hielt sogar fest an dem Satze, selbst die Ehrfurcht oder Höflichkeit, die Fritz ihr zeige, sei die ärgste Heuchelei. So energisch nun auch der Hofrath solchen Anklagen entgegentrat, so verstimmten sie ihn doch mit der Zeit gegen den Neffen; er behandelte ihn zuweilen kalt, und warf ihm ein strenges Wort hin, wo er sonst ihm nur eine leise Ironie zu schmecken gegeben haben würde.
Fritz war bestürzt und betrübt über so dunkle Wolken an seinem Horizonte; er hatte sich nichts daraus gemacht, ja wohl sich darüber ergötzt, daß die gräniliche Tante ihn hasse; aber daß der Onkel, sein Pathe und Freund, ihm, seinem Liebling, den Rücken wende, schien ihm ein unerträgliches Unglück.
So fand ihn Dorothea, die ein Buch von ihm haben wollte, eines Abends in tiefer Traurigkeit. Dintenfaß, Federn und Bücher standen
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