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muß Dir gestehen, meine liebe Thea, ich kann auch nicht an der Wahrheit der Anklage zweifeln..."
„Aber, bester Onkel, eö ist unmöglich, daß Fritz etwas Niedriges, Schlechtes thue!"
„Gutes Kind, das kannst Du nicht beurtheilen! Selch ein feuriger Junge! Gekränkte Eitelkeit, Leidenschaft, daö reißt hin!"
„WaS wird denn die Folge fein, wenn man ihn schuldig findet und verurtheilt?"
„Er wird wahrscheinlich relegirt."
„Können 'Sie nichts für ihn thun?"
„Ich kann und will es nicht. O, es macht mich sehr unglücklich! Ick hatte den Jungen so lieb, er sollte mir meinen Sohn ersetzen..." Der Gebeugte legte die Hand über die Augen und sagte mit gepreßter Stiimne: „Thea, entschuldige mich bei meiner Frau, ich komme heute nicht zu Tische."
Thea drückte deS Onkclö Hand an ihre Lippen und ging leise auS der Thür. Tausend schmerzliche, peinliche Gefühle wogten in ihr, doch die Ueberzeugung von Fritzens Schuld war nicht darunter. Aber was war zu thun gegen solche Beweise? Sie mußte nachdenken, allein, ungestört. Sie stellte sich ans Fenster ihres Stübchens, ihr Auge blickte hinauf — da lebte, wohnte, regierte der Heilige und Gerechte, der Vater der Liebe, der Beschützer der Verfolgten! Ein hoher Muth kam in ihre Seele. Dann sah sie auf das schneeige Gärtchen — ein Strahl blitzte in ihrem Auge auf, sie eilte hinunter, kam befriedigt zurück, versuchte bei dem Onkel einzudringen — vergebens. Da holte sie von Fritzens Stube ein geschriebenes Heft, hüllte sich in ihre» Blautet. nahm Hut und Schleier, ließ Nachricht für die Tante zurück, und ging eilig nach dem Hause deS Prorektors.

