83
beitet habe ich dabei arger als ein Pferd. Und der Ranch, die Flammen, das Geschrei, die Glocken..."
Hier ließ sich ein leises Schluchzen hinter der breiten Form deS Erzählers Vernehmen; dieser faßte nach jener Richtung hin, und zog eine kleine Gestalt hervor, die er auf die Bank am Fenster setzte, sprechend: „Seht, dem armen Jungen falls s auch wieder ein, wie's da zuging! Na, sei nur ruhig, Konradchen, Du kannst Deinen Vater und Deine Mutter doch nicht wieder auS dem Feuer und aus der Erde weinen! Daß ich's kurz mache, Jungfer Farthinger, die WeisenS sind Beide dabei umgekommen, und ihre zwei Kinder wären auch verbrannt, wenn die Mutter sie uns nicht auö dem Fenster zugereicht hätte, mir und dem Nachbar Hans. Die kleine Käthe ist zu einer Muhme des Vaters gekommen, und Ihr sollt den Jungen kriegen, wenn Ihr ihn haben ivollt. Ihr seid ivohl erschrocken über den neuen Ester, daß Ihr so gar kein Wort sagt. Zwingen können sie Euch nicht, den Jungen zu behalten; wenn Ihr ihn nicht wollt, muß ich ihn wieder mitnehmen, da fällt er der Gemeine zur Last. — Aber ich dächte Ihr thätet es, er wird Euch Segen bringen."
„In Gottes Namen denn," sagte Magdalene gepreßt, „ich dachte freilich, ich konnte kaun, selbst durch, und nun kommt mir »och das! Nun, der Mensch denkt, Gott lenkt!" Sie näherte sich der kleinen, betrübte» Gestalt und sagte mitleidig: „Gott grüß Dich, Konrad, Du kannst bei mir bleiben."
„Schön Dank, Jungfer Muhme," antwortete das Kind mit leiserem Weine».
„Na, das ist gut," fiel der Fuhrmann ein, „da habt Ihr den Taufschein des Jungen, und die Trau- und Todtenscheine seiner Eltern, geht zuili Gericht, legt das da nieder, und sagt, daß Ihr für das Kind sorgen wollt. Und hier ist Alles, was gute Leute dem Kinde geschenkt
6 *

