„(sollst gleich zu Bett, Konrad," sagte seine Pflegemutter, „aber erst mußt Du gewaschen werden!"
Konrad machte ein etwas langes Gesicht, doch wagte er keinen Widerspruch. Magdalene hatte ein Stuck Seife geholt, und gab, nach althergebrachter, mütterlicher Weise ihrem Kinde mit warmen Wasser und Seife eine gründliche Sonnabendswäsche. Sie schien ihm wohl zu thun, er lächelte, und als ihn die Pflegemutter abgetrocknet und in feinen Schlafkorb gebracht hatte, konnte er kaum noch fein Gebetlein stammeln, da waren ihm schon die Augen zugefallen. Magdalene blieb noch einige Augenblicke an dem Korbe mit Heu stehen, holte dann ihre» alten Blantel vom Nagel, und deckte den kleine» Schläfer damit zu. Wie friedlich er da lag in tiefer Ruhe! „Den beschütze ich nun," dachte sie nicht ohne Stolz, doch da fielen ihr die Engel ein, die Schutzengel der Kinder, die immer daS Angesicht des Vaters sehen, und sie ward demüthig.
Schnell raffte sie sich aber jetzt auf, um weiter für ihr Kind zu sorgen. Zuvörderst wickelte sie die Scheine auseinander, welche der Fuhrmann ihr übergeben, weilte mit nassen Augen auf den beiden ersten, und lernte aus dem letzten, dem Taufscheine, mit einiger Blühe, daß Johann Konrad Weise am nächsten Osterfest sein sechstes Jahr vollende. „Dann muß er also in die Schule," dachte sie mit einem Seufzer, in welchem sich der Gedanke an das Schulgeld mit dem sorgenvollen Ueber- blick der Zeit bis dahin vereinte; Nahrung, Kleidung, Aufsicht, Alles steckte darin. Indeß schob sie diese Gedanken bei Seite, und ging an das Eröffnen des Päckchens, welches die fahrende Habe des kleinen Abgebrannten enthielt. Ach, da war wenig zu entdecken: zwei alte Hemdchen, ein blaues Kittelchen, und ein Paar hie und da zerrissene Höschen, das war der ganze Inhalt des Bündels.
Bkagdalenens ehrliches Herz wallte hoch auf. „Nein," dachte sie,
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