Wesen war, bewies ein Brief, den er einige Monate spater an seinen Gönner Gabriel Steinbrecher schrieb:
Hvchwürden. Herr Superintendent.
ES geht nicht. Ich kann das Schulmeistern »nd die andern Dinge hier bei dein Herrn Pastor und Herrn Schulmeister nicht lernen, denn sie können mich gar nicht mehr leiden. Der Herr Pastor ist fast immer beschäftigt oder krank, ich habe bei ihm noch wenig oder nichts gelernt, und der Herr Schulmeister macht mir das Leben so sauer! Lieber will ich meiner Biuhme ihr Geselle werden, als meine Zeit so elend hinbringen. Hochwürden,
Ihr ganz ergebener Konrad Weise.
Nachschrift. Dieine Muhme will mich aber nicht zum Gesellen, sie will sich Oel kaufen, sagt sie.
Alö Konrad nicht ohne Thränen diese Epistel zu Stande gebracht, und der Briefpost, die in einem kleinen Wägelchen täglich durchfuhr, selbst eingehändigt hatte, ward er ruhiger, und hoffte, bald einen schöne» Bries von dem Oberhirten als Antwort zu bekommen. Doch ein Tag verging »ach dem andern, und kein Brief kam. Da saß der junge Student traurig bei seiner Muhme, und hals ihr eine Jacke für eine Bäuerin nähen — ein Geschäft, was ihm jetzt ganz unerträglich schien, — als plötzlich Schulzens Christoph athemlos hereingesprungen kam, und hervorkeuchte: „Konrad, Du sollst gleich zu einem vornehmen Herrn kommen, der vor dem Wirthshause im Wagen sitzt!"
Konrad warf eilig den Jackenärmel hin und lief mit Christoph fort. Nach kurzer Zeit kam er freudestrahlend wieder. „Muhme," rief er, in das Stäbchen springend, „der Herr Superintendent ließe Euch grüßen, und Ihr möchtet ja an die klugen Jungfrauen denken; denn jetzt müßtet Ihr nüch hergeben. Ja, Biuhme, der Herr Superintendent will, Aurora. 8
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