ficht und Auswahl. Hier Lieder für Sopran, die ganz allerliebst scheinen, auch Duette für Sopran und Alt, für Sopran und Tenor — ei, das ist ordentlich wunderbar, woher weiß der Buchhändler, daß wir einen Tenor haben!"
„Würden Sie diese Partie," fügte sie, zweifelhaft sich an den Lehrer wendend, hinzu, „wohl nach einiger Durchübung singen können?" „Sicher," erwiderte er ernst, fast stolz.
„O dann," rief Agathe, „will ich unsre Jda bitten, sobald als möglich die Sopranpartie zu lernen — sie lernt so schnell und leicht. Ich denke, schon übermorgen werden wir Frau Conring das Duett vortragen können. Sollte eS sie nicht unterhalten, Herr Conring?"
„Unterhalten nicht allein, auch höchlich überraschen, da Sie bis jetzt aus den Fähigkeiten und Fortschritten Ihrer neuesten Schülerin, meiner Frau ein Geheimniß gemacht. Sie wird von Neuem über die verborgenen Kräfte unseres Veilchens erstaunen."
Jda wurde gerufen, sie war noch blasser als vorher, doch ruhig; ungern nur ging sie in Agathens Pläne ein, ergab sich indeß ind Unvermeidliche. Niemals war ■ Agathe eine bessere Lehrerin gewesen, und als nach dem Abendessen Frau Conring sich ,'n ihre Zimmer zurückzog, drang die Eifrige auf einen Versuch beider Sänger zusammen.
Die Probe gelang über Erwartung; nie hatte JdaS Stimme lieblicher, klarer, rührender getönt, zudem zeigte sich in den beiden Stimmen eine Verwandtschaft, ein köstlicher Zusammenklang.
„DaS wird herrlich," jauchzte Agathe; „noch einige Wiederholungen und es geht musterhaft!"
Marianne traute ihren Sinnen kaum, als an einem der nächsten Abende, nachdem die Kinder einiges gespielt, Agathe sich zum Piano setzte, die Duettanten herbeiwinkte, und diese nun mit Präcision und Gefühl ihre Partien vertrugen. Sie weinte vor Erregung, streichelte und
24

