geheimnißvollen Reiz, welchen die Hülle dichter Rouleaux dem glänzenden Lampenlichte verleiht. Die Rückseite dieses Gebäudes trug einen ganz entgegengesetzten Charakter; sie hatte durch einen kleinen Hinterhof Aus­gang in eine Nebenstraße, in welcher meist niedrigere, einfachere Häuser standen, als die pallastähnlichen der Hauptstraße. Die Rückseite jenes stattlichen Bauwerks schien sich zu jenem kleinen Volke, welches ihm gegenüber lag, herablassen und ihm ähnlich werden zu wollen; dies ge­lang ihm indeß nur unvollkommen, denn es sah vernachlässigt, unbe­wohnt, ja fast verfallen aus. Unpassende oder zerrissene Vorhänge flatterten hinter staubigen oder schlecht verwahrten Fenstern, und ward Abends dann und wann ein Lichtschein sichtbar, so fiel niemals der schützende Flügel eines RouleauxS nieder, eine häusliche Wohnlichkeit zu schaffen. Diese sprechende Offenbarung von Aermlichkeit und Oede fand im Innern ihre volle Bewährung. In einer zweifenstrigen Stube des zweiten Stockes sah es ganz dem Aeußeru entsprechend aus. Mit ein­ander streitende, veraltete Möbeln waren hier durcheinander gestellt, hohe, helle Stühle, niedrige, dunkelbraune Tische und ein formloses Sopha, mit vergelbtem, fleckigem Kattun überzogen. Eine große schwarzwalder Wanduhr, die in einer Ecke schnarchte, schien auf den ersten Blick daS einzige, lebendige Wesen im Zimmer zu sein, doch bei genauerer Forschung entdeckte man in der andern Ecke, in einem Bette, nicht weit von dem alterthümlichen, doch ungeheizten Ofen eine iveibliche Gestalt im Nacht- anzuge, bleich, mit verbundenen Auge», deren jugendliches Antlitz die Spuren geistiger und körperlicher Leiden trug. Ein schleichendes Fieber brannte in ihren Adern, trübe, unheimliche Gedanken drängten sich ver­worren in ihrem Kopfe. Stunden vergingen, ohne daß man sich um sie kümmerte, und wenn ja eine geschäftige Magd hineinrauschte, ihr die allernöthigsten Dienste zu leisten, so war der Besuch kurz und hastig; weder liebende Sorge hatte ihn veranlaßt, noch brachte er Hülfe oder Erleichterung.

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