also ein Wesen, das Ihnen durch Liebe helfen mochte. Damit ich es aber könne, müssen Sie mir vertrauen, mir einen Einblick in Ihre Lage geben!" Die Fremde bekräftigte ihre Versicherung und Aufforderung mit einem herzlichen Händedrnck, beugte sich zu der Kranken nieder, und nahm deren heißes, verbundenes Haupt in ihre Arme. Ein paar frische, freundliche Augen warfen ihren hellen Strahl in die der Kranken; diese sab das ehrwürdige Antlitz einer Matrone, jedoch in kräftiger Färbung vor sich.
„Verstehen Sie mich recht," fuhr diese in beruhigenden Tönen fort, „ich verlange keine weitläustige Erzählung ihrer Begebenheiten und Kümmernisse; dazu scheint mir hier weder Zeit noch Ort passend; sagen Sie mir nur, ob Sie sich mir anvertrauen, zu mir in mein Haus komnie» wollen, und ob Sie damit zufrieden sind, wenn ich mich bei Frau von Rüder» als Ihre Verwandte nenne?"
Statt aller Antwort drückte die Kranke ihre heißen Lippen auf die Hand der Matrone, und benetzte sie mit ihren Thränen. „Ich bin wirklich Ihnen nahe verwandt," fuhr diese heiter fort, „wir sind ja Kinder eines- Vaters, und da ich viel älter bin als Sie, und Sie mich füglich nicht Schwester nennen können, so wollen wir unS einen andern Verwandtschaftsgrad aussuchen, und unS darüber später vereinige». Streben Sie jetzt nur, sich ein wenig zu beruhigen, bald wir es besser mit Ihnen werden!"
Sie trocknete sanft die Augen der Kranken, zog die Binde derselben von der Stirn herunter wieder über die Augen, und fragte, indem sie spähend durch die immer tiefer sinkende Dämmerung im Zimmer umherblickte: „Haben Sie nichts zu trinken? Ihre Lippen sind heiß und trocken. Der Durst ist das schlimmste der klebet! Ah, hier!" Sie ergriff ein Glas, halbvoll von einer limonadenartigen Flüssigkeit, das auf einem Tischchen im Schatten des Ofens gestanden hatte. „Aber dieses
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