viele Frauen, die nicht heirathen können oder wollen, und für diese armen Stieflinder des Staats und der Gesellschaft zu sorgen, ist mir in meinem größeren Berufe noch ein besonderes Lieblingsthun; gehöre ich doch selbst zu ihrem Orden!"
„Warum eigentlich?" warf er hin.
„Sollte ich etwa," rief sie fast zürnend, „den nichtsnutzigen Schwarz- reuter noch nehmen, als ich wußte, er betrog mich? lind nach solchen Erfahrungen hatte ich Muth und Vertrauen zu ähnlichen Verhältnisten für mich verloren, fand auch Niemanden, dessen Gehülfin ich hätte sein mögen."
Er zuckle die Achseln, summte einige Töne und fragte dann: „Das niedliche, zarte Mädchen mit dem feinen, blassen Gesichtchen, dem rührenden Ausdruck und den matten, blauen Augen ist auch wohl eins von Deinen Schäfchen? Wer ist sie denn?"
„Sie war eine vielgeplagte, unglückliche Gouvernante, und ist vorerst nur eine Genesende."
„Und Dein gelehrter Gärtner?"
„War ein angehender Seelsorger, der weder die Gabe des Worts noch des Eindringend in Menschenseelen hatte. Daß er die Blumen versteht und liebevoll besorgt, hast Du gewiß schon gesehen."
Der Bruder staunte, doch er raffte sich noch einmal auf, sein letztes Pulver zu verschießen: „lln> Eins bitte ich Dich nur," rief er, „entdecke nur nicht irgend ein musikalisches Genie in einem kleinen Mädchen, und mache aus ihr eine jener vielen, berühmten Pianistinnen, die mir ein Gräuel sind... Die verfehlen ihren Beruf immer!"
Regine lachte. „Ich kann meine Angelika nicht verläugnen," sagte sie, „die sich eben zu einer Pianistin bildet! Warum sollten Frauen keine Künstlerinnen sein, wenn sie nur zugleich Frauen bleiben?"
„Hartnäckig bleibst Du," rief Peter, „und ein Original bist Du, wie mir nur irgend eins vorgekommen!"
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