von Bekanntschaft mit ihm. Er gewann Vertrauen zu mir, da prüfte ich ihn durch kleine Geschenke an Geld, die er mit Freudeerröthen cuipfing. WaS wird er damit mache»? dachte ich. Im Backerladen, oder bei der Obstfrau sich Trost für das verhaßte Essenkriechen suchen? — o nein! Er kaufte Papier und Bleistift oder Kreide, und verwandte den ganzen Sonntag zum Zeichnen. So fand ich ihn, redete ihn nun darauf an, ob er nicht lieber ein Maler als ein Essenkehrer werden wolle? — O, hättest Du sein Entzücken, seine verklärten Blicke gesehen! Leicht ward mir'S, ihn von seinem Herrn loszumachen, dem der stumme, trübsinnige Bursche nicht sonderlich behagte, und seine Mutter war mit Allem, waS ich vorschlug, zufrieden, da ich versprach, für ihn sorgen zu wollen. Damals ward mir eine solche Art von Adoption noch etwas sauer; denn
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die Tante lebte noch, doch ich folgte dem, was mir meine innere Stimme als Beruf nannte, und Gott half weiter. Mein Hilmar wusch sich von Staub und Ruß rein, ward neu gekleidet, und in Allem, waS ein gebildeter Künstler wissen sollte, unterrichtet. .
„Da muß er jetzt schon einer sein, wenn Dein Kunststück gelungen ist," rief der Bruder, „denn es sind doch wohl schon mehrere Jahre, daß Du Dein Werk angefangen?"
„Mein Hilmar," sprach Regine nicht ohne Stolz, „ist ein sehr wackerer Junge geworden, lebendig, leicht erregbar, schwunghaft, eine ächte Künstlernatur. Von seiner früheren Schwermuth ist nur soviel zurück geblieben, um ihn interessanter erscheinen zu lassen; er ist sich selbst ein nie nachlassender Sporn, und es betrübt ihn, daß er nicht schnell genug das Herrliche leistet, das ihm vorschwebt. '
„Du zeichnest Ideale!" fuhr der Bruder auf.
„Nein, nein," versicherte sie, „so lange er hier war, habe ich ihn stets so gefunden, doch ist er seit anderthalb Jahren in Düsseldorf, woher er mir oft und viel Gutes schreibt; im Laufe dieses Sommers oder im

