Ruh, Ruh, Guruh! kehr' heim in guter Ruh!"
Da Lenchen das hörte, kam ein stiller Friede in sein Herz, es wußte nicht, wie ihm geschah. Es nahm sein Tüchlein aus der Tasche, trocknete seine Thränen und folgte still dem einen Täubchen, daß voranflog, immer der Höhle zu. Da legte es sich auf sein Mooslager, den Kopf auf die treue Hirschkuh, und das eine Täubchen setzte sich auf das Tischchen, wehte mit den Flügeln und rief:
„Lenchen, treues Schwesterlein, schließ die müden Äugelein! mein Brüderlein im Schloß bewacht dein Brüderlein in dunkler Nacht.
Ruh, Ruh, Guruh! schließ die müden Äuglein zu!"
Da fielen Lenchen die müden Augen zu und es schlief bis zum Morgen. Nun ängstigte es sich zwar nicht mehr so um sein Brüderchen; denn es wußte, daß es ihm wohlgieng; aber es grämte sich doch und sehnte sich nach ihm und ritt alle Tage durch den Wald, ob es nicht seine Spur entdecken möchte.
Eines Tags, als es auch traurig auf der Hirschkuh dahin- ritt, hörte es plötzlich Pferde wiehern, Hunde bellen und die Jagdhörner erschallen; denn der König hielt eine große Jagd im Walde. Die Hirschkuh wollte erschrocken entfliehen; doch da sie mit Lenchen nicht so schnell laufen konnte, stolperte sie und fiel, und indessen hatte der König sie schon erreicht, sprang vom Pferd und nahm Lenchen bei der Hand, um ihm zu helfen; es war sehr erschrocken, und der König nicht weniger; denn er meinte nicht anders, als seine verstorbene Gemahlin stände vor ihm, so ähnlich war es ihr. Er nahm es mit auf sein Schloß, und die Hirschkuh folgte still.
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