Hier gewann der König Lenchen so lieb, daß er es gern hei­raten wollte; aber Lenchen wollte nicht, denn es sprach:Ach, mein König, ich würde Euch nur das Herz schwer machen; denn ich trage großes Leid um mein Brüderchen, das verschwun­den ist, und könnte Euch daher nicht so lieb haben, wie es der Gemahlin eines so edlen Königs ziemt.

Diese Worte betrübten den König, und er beschloß, Lenchens Bruder aufsuchen zu lassen. Er sandte Boten aus durchs ganze Land, Theowald zu suchen; allein sie kamen alle ohne ihn zurück.

Der König aber wiederholte Lenchen sein Begehren, und es wil­ligte endlich ein. Da veranstaltete er ein glänzendes Hochzeitsfest, wo­zu er alle Ritter des ganzen Reiches mit ihren Gemahlinnen einlud.

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Er gab große Turniere, Wettrennen und dergleichen mehr. Das Schloß wurde mit frischen Blumenguirlanden auf das festlichste geschmückt, und alle Köche brateten und backten von früh bis spät.

Drei Tage lang dauerten die Spiele. Den ersten Tag war ein Wettrennen zu Fuß, den zweiten ein Wettrennen zu Pferd, den dritten ein Gefecht; dann sollte der Sieger vor der Königin niederknien und von ihr bekränzt werden. Da waren wol dreihundert Ritter versammelt, die in ihren glänzenden Rü­stungen auf den schnaubenden Rossen einen gar herrlichen An­blick gewährten, und ringsum saßen schön geschmückte Damen, die erwartungsvoll nach dem Kampfplatz schauten. Mitten unter ihnen, auf einem hohen Throne von lauter frischen Blumen be­kränzt, saß die junge Königin neben ihrem Gemahl, die Blicke traurig zur Erde gesenkt, und die Wangen so bleich, wie das weiße Kleid, das sie trug. Der Wettstreit begann. Da zeigte ein jeder seine Geschicklichkeit und Schnelligkeit; aber ein schlanker Ritter zeigte sich schneller und gewandter als die andern alle. Er wußte sein Pferd zu regieren, als ob's mit ihm eins wäre; und als er auch am dritten Tag den Preis gewonnen hatte, winkte