201

zu emsiger Arbeit anzuspornen, und ihre Worte fielen auf einen guten Boden; denn das Söhnchcn sammelte mit der Mutter um die Wette. Sie waren aber beide so eifrig bei ihrer Arbeit, daß sie den nicht weit davon auf einer Berglehne im Sonnenschein ruhenden Rübezahl nicht bemerkten. Um desto besser beobachtete er die fleißigen Leute und freute sich im Stillen nicht wenig über den kleinen fleißigen Mann.

Nach einiger Zeit fieng jedoch der Säugling, von dem sich die Mutter eine kleine Strecke entfernt hatte, zu schreien an; schnell lief sie zu ihm hin, nahm ihn auf den Arm und bemühte sich, ihn zu beruhigen, um dann wieder weiter arbeiten zu können. Aber der Kleine wollte nicht mehr von der Mutter weg, und so blieb der lieben Frau nichts übrig, als ihn auf dem Arme mit sich zu nehmen und mit dieser Last ihrer Arbeit nachzugehn. Diese zärtliche Mutterliebe erfreute den Berggeist auch gar sehr. In- dessen war der Kleine nicht lange still; er schrie, zappelte und strampelte so sehr, daß die arme Frau ihre Beschäftigung wie­derholt aufgeben und sich mit dem kleinen Schreihals beschäftigen mußte. Sie that nun zwar recht schön mit ihrem Kindchen; aber es gieng doch auch nicht an, daß sie nichts vor sich brachte; denn von selber hüpften die Beeren nicht in den Krug. Als nun der Kleine gar nicht nachließ mit Schreien und Strampeln, griff die Mutter in der Noth zu dem Auskunftsmittel, den Schreihals durch etwas zu schrecken.Rübezahl!" schrie sie in den Wald hinein,komm und friß das kleine Martcrscheit!" Man soll den Teufel nicht an die Wand malen, sonst kommt er," pflegt man häufig zu sagen. Dies Wort paßt auch auf Rübezahl, wie wir gleich hören werden.

Kaum hatte die Frau ihre Rede geendet, so stand der Berg­geist wie ein plötzlich aufgezogenes Wetter vor ihr und rief:Da bin ich, her damit! will den Kleinen gleich auffressen; wahrlich,