228
Und nun blieb sie ganz still liegen, indeß der Hagel im Schilfe sauste, und Schuß auf Schuß fiel.
Erst spät am Tage ward es stille; aber die Kleine wagte noch nicht sich zu erheben; sie wartete noch mehr Stunden, eh sie sich umsah, und dann eilte sie vom Moor weg, so schnell sie konnte; sie lief über Feld und Wiesen, und es war so ein Wind, daß sie Mühe hatte von der Stelle zu kommen.
Gegen Abend erreichte sie ein armes, kleines Bauernhaus; das war so elend, daß es selbst nicht wußte, nach welcher Seite es umfallen sollte, und deshalb blieb es stehn. Der Wind sauste so um die arme kleine Ente, daß sie sich auf den Schwanz setzen mußte, um Widerstand zu leisten, und es ward schlimmer und schlimmer. Da bemerkte sie, daß die Thür, welche aus der einen Angel
gegangen war, so schief hieng, daß sie durch die Spalte in die Stube schlüpfen konnte, und das that sie.
Hier wohnte eine alte Frau mit ihrem Kater und ihrem Huhn, und der Kater, welchen sie Söhnchen nannte, konnte einen Katzenbuckel machen und spinnen, ja er knisterte sogar, wenn man ihn gegen das Haar streichelte. Das Huhn hatte ganzkleine, niedrige Beine, und deshalb nannte man es Kücken Kurzbein; es legte gute Eier und die Frau liebte es wie ihr eignes Kind.
Am Morgen merkte man gleich den neuen Gast, und der Kater fieng an zu miauen und das Huhn zu gackeln.
„Was giebt's da?" fragte die Frau und sah rings umher, aber sie sah nicht gut und so glaubte sie, das junge Entchen sei eine fette Ente, die sich verirrt hätte.
.Das wäre ja ein prächtiger Fang!" sagte sie, „nun kann ich ja Enteneier bekommen, wenn's nur kein Entrich ist! Das müssen wir versuchen!"
Und so ward die Ente zur Probe angenommen drei Wochen lang, aber es kam kein Ei. Und der Kater war der Herr im Hause

