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unter einen schattenreichen Baum gelagert hatte. Ihr Haupt, auf einen schwanenweißen Arm gestützt, sank schwermiithig in den Busen hinab, ihre Kleidung war nicht kostbar, aber reinlich, und der Zuschnitt daran bürgerlich. Von Zeit zu Zeit verwischte sie mit der Hand eine herabrollendc Zähre von den Wangen, und stöhnende Seufzer quollen aus der Brust hervor. Rübezahl trat freundlich heran und sprach: „Mägdlein, was trauerst du hier in der Wüste so einsam? Verhehle mir nicht deinen Kummer, daß ich zusehe, wie dir zu helfen sei." — „Was kümmert Euch mein Schmerz, guter Mann, sintemal mir nicht zu helfen ist. Ich bin eine Unglückliche, eine Mörderin, habe den Mann meines Herzens gemordet, und will abbüßen meine Schuld mit Jammer und Thränen, bis mir der Tod das Herz zerbricht." „Du eine Mörderin?" rief er, „bei diesem himmlischen Gesicht trügest du die Hölle im Herzen? Unmöglich!" — „So will ich's euch lösen," erwiderte die trübsinnige Jungfrau: „ich hatte einen Gespielen von Jugend an, den Sohn einer tugendsamen Wittib, meiner Nachbarin, der mich zu seinem Weib erkor, als er heran wuchs. Er war so lieb und gut, so treu und bieder, daß ich ihm ewige Trene gelobte. Ach! das Herz des lieben Jungen hab' ich Natter vergiftet und ihn zu einer Uebelthat verleitet, wofür er das Leben verwirkt hat." — Der Gnom rief: „Du?" — „Ja, Herr!" sprach sie, „ich bin seine Mörderin, hab' ihn gereizt einen Straßenraub zu begehen, und einen Juden zu plündern; da haben ihn die Herren von Hirschberg ergriffen, Halsgericht über ihn gehegt, und, o Herzleid! morgen wird er abgethan." —
„Und das hast du verschuldet?" fragte verwundert Rübe- zahl. — „Ja, Herr, ich hab's aus meinem Gewissen das junge Blut." — „Wie das?" — „Er zog auf die Wanderschaft über's Gebirge, und als er beim Abschied meine Hand in der seinen hielt, sprach er: „„Lieb Klärchen, bleib mir treu! Wenn der Apfelbaum

