Seine Seele bebte vor diesem ahnungsvollen Anblick zurück; es sank in dumpfes Hinbrüten, und Todtenstille war um selbes her.
Da pocht's dreimal leise an das Fenster. Ein froher Schauer durchlief Klärchens Glieder, es sprang auf, that einen lauten Schrei; denn eine Stimme flüsterte durch die Lücke: „Klärchen, bist du wach?" — Husch war es an der Thüre. „Ach Benedix, bist du's oder ist's dein Geist?" Wie es aber den Bruder Graurock erblickte, sank es zurück und starb vor Entsetzen hin. Da umschlang es sanft sein treuer Arm, und er brachte es bald wieder in's Leben- Nachdem die Ergießungen der ersten freudigen Herzensgefühle vorüber waren, erzählte ihm Benedix seine wunderbare Errettung aus dem peinlichen Kerker; doch die Zunge klebte ihm am Gaumen vor großem Durst und Ermattung. Klärchen gieng ihm einen Trunk frischen Wassers zu holen, und nachdem er sich damit gelabt hatte, fühlte er Hunger; aber Klärchen hatte nichts zum Imbiß, als Salz und Brot. Da gedachte Benedix an seine Knackwurst, zog sie aus der Tasche und wunderte sich, daß sie schwerer war als ein Hufeisen, brach sie von einander, und siehe! da fielen eitel Goldstücke heraus, worüber Klärchen nicht wenig erschrak. Es meinte, das Gold sei eine schändliche Reliquie von dem Raube des Juden und Benedix sei nicht so unschuldig, als ihn der ehrsame Mann gemacht habe, der ihm im Gebirge erschienen war. Allein der truglose Gesell betheuerte höchlich, daß der fromme Ordensmann ihm diesen verborgnen Schatz vermuthlich als eine Hochzeitsteuer verliehn habe, und es glaubte seinen Worten. Darauf segneten beide mit dankbarem Herzen den edelmüthigen Wohlthäter, verließen ihre Vaterstadt und zogen nach Prag, wo Meister Benedix mit Klärchen, seinem Weibe, lange Jahre als ein wohlbehaltener Mann in friedlicher Ehe lebte.
In der frühen Morgenstunde, da Klärchen mit schaudervoller Freude den Finger ihres Bräutigams am Fenster bemerkte, klopfte
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