Hassan bei ihrem Anblicke, „sie werden uns zu Asche verbrennen, wenn sie uns sehen." „Nicht doch!" sprach Padmanaba lächelnd, „habe keine Furcht!" Er murmelte eine Beschwörung, und die Drachen verschwanden. Jetzt sprang von selbst die Thür des Doms auf, sie schritten hinein, und Hassan staunte von neuem; denn er erblickte im kristallnen Dom noch einen zweiten kleinern, der war ganz von Rubinen, und statt des Knopfs auf dem Minaret glänzte ein Karfunkelstein, sechs Fuß lang und zwei Fuß dick; der strömte ein Licht aus, heller als das der Sonne. Die Thüre, aus einem einzigen Smaragd geformt, stand offen; sie konnten bis in das Innere des Rubinendoms schauen und erblickten dort einen prächtigen Saal. Am Eingänge wurden sie von sechs lieblichen Jungfrauen empfangen und mit Gesang und Harfenton von ihnen bewillkommt. Sie schritten an ihnen vorbei in den Saal hinein. Hassan war außer sich vor Staunen, als er sich umsah. Die Decke des Saals war von Porphyr und mit Perlen und Diamanten besäet, die Sterne funkelten, der Boden war von Gold, und die Wände von Rubinen. Aus dem Saal schritten sie in ein kleineres, aber eben so glänzendes Zimmer. Hier in der einen Ecke ein Haufen Gold, in der andern ein Haufen Rubinen, in der dritten ein silberner Krug, und in der vierten ein Häuflein schwarzer Erde; in der Mitte des Zimmers aber stand ein goldner Katafalk mit einem silbernen Sarg, dessen Deckel offen war. In dem Sarge lag langgestreckt, wie schlummernd, ein Mann mit einer prachtvollen diamantnen Krone auf dem Haupte. Über seinen Füssen hieng eine silberne Tafel von der Decke herab; darauf stand mit flammenden Buchstaben: „Das Leben des Menschen ist Schlaf, und ihr Erwachen der Tod."
„Siehe!" sprach Padmanaba zu Hassan, „dieß ist die Leiche des mächtigsten Fürsten der Erde, der einst ganz Asien und die Völker Afrika's beherrscht hat. Er war es, der vor Jahrtau-

