auf nach Hause. Der Brunnen war wieder gefüllt mit Wasser, sobald sie ihn verlassen hatten. HassanS Vater ward beinahe un­sinnig vor Freude, als sein Sohn ihm die Schätze, die er mitge­bracht hatte, überreichte, gab alsbald seinen Limonadenhandel auf und lebte fortan in Überfluß und Herrlichkeit. Padmanaba aber unterrichtete Hassan nach wie vor in allen guten Dingen und Wissenschaften. Nun wollt' es aber das Unglück, daß Hassan's Pflegemutter eine sehr geizige und habsüchtige Frau war. Dieses elende Weib war nicht zufrieden mit den Schätzen, die der Sohn durch Padmanaba's Güte erlangt hatte, sondern es wollte alles besitzen, was der Brunnen au unterirdischen Gütern und Reich­thümern verbarg. Deßhalb sagt' es einst zu Hassan:Höre, lie­ber Sohn! wenn wir so lustig und verschwenderisch fortleben wie jetzt, dann werden die paar Edelsteine, die du mitgebracht hast, bald genug verschwinde», und wir können wieder hingehn und am Hungertuche nagen, was uns schwer genug ankommen wird."Ach was!" sagte Hassan,hege nur keine Furcht! wenn die Steine weg sind, hol' ich mit Padmanaba's Hilfe wieder andre und bringe gleich eine Handvoll der wunderthätigen schwarzen Erde mit; dann kannst du vollends ohne Sorge leben."Das ist alles recht gut, Söhnchen!" sprach die Alte wieder,aber wer steht dir denn da­für, daß der Brahmane, dein guter Freund, nicht einmal stirbt, eh' wir es uns versehen? Was haben wir dann? Warum sagst du nicht lieber zu ihm, er solle dich alle die Kunststücke lehren, die nöthig sind, um ohne Gefahr in den Brunnen zu steigen? Wenn er dir alle Schätze da drinnen bestimmt hat, muß er dir auch freien Eingang dazu verschaffen."Ach, Mutter!" sagte Hassan, »ich fürchte, Padmanaba wird böse, wenn ich ihm das ansinne." Versuch' es wenigstens, Söhnchen!" bat die Alte;wenn er keine Lust dazu hat, wird er es schon sagen." Und sie redete ihm so lange zu. daß Hassan hingieng und den Brahmanen ersuchte, ihn

Hermann, Miirchenkranz. II. Auflage 19

289