101
Näher und furchtbarer dröhnte jetzt das Brüllen des Wüstenkönigs.
„Steckt Alles in Brand!" rief Pierre, schnell besonnen. „Diese wilden Bestien scheuen das Feuer. — Schnell, sonst sind wir verloren!"
Der Hauptmann stürmte in das Schlafgemach des Marquis zurück, zündete einen Stoß Papiere an und schleuderte sie in das Bett; dieses stand augenblicklich in Flammen, Gluth und Dampf füllte das Gemach und gierig fraß das Feuer weiter. — Einen Fenerbrand mit sich fortreißend, eilte der Mordbrenner Lncien nach, welche ihre Genossen zu sammeln bemüht war.
Unten brüllte der Löwe und Menschenstimmen riefen wild durcheinander; oben wogten schon Flammen und Dampf aus den mehrsten Gemächern. Auf dem Rücken die mit Bente gefüllten Säcke, in der einen Hand die mörderischen, bluttriefenden Waffe», in der andern den lodernden Feuerbrand, ratzten die Räuber gleich Dämonen der Hölle durch die Gänge, wo einige Leichen von der blutigen Thätigkeit der Eingedrnngenen zeugten.
Um den Flammen, die sich blitzschnell ausbreitete», zu entrinnen und auch den Klauen des Löwen zu entgehen, flog Lucie Allen voran die Treppe hinab; aber bier sprang ihr mit wüthendem Satz der Wüstenkönig entgegen, den Schweif in wilden Kreisen schwingend.
Einen Augenblick stand Lucie bestürzt; als aber das Thier jetzt zum letzten tödtlichen Satz ausholte, gewann die Gefährdete die Gegenwart des Geistes wieder und rasch eine Pistole aus dem Gürtel ziehend, schickte sie dem Löwen einen Schuß entgegen. — Der Löwe sprang mit einem Wuth- und Schmcrzgeheul zurück. Da sprang Pierre die Treppe hinab, in der Faust einen gewaltigen,

