70

wir sitzen, ist ein sehr kluges Kind und möchte gern etwas recht Ordentliches lernen; was meint ihr, wenn wir Finger uns ver­einigten, ihm dazu zu helfen!"

Alle waren mit diesem Vorschlage zufrieden und machten nun eine Menge verschiedener Pläne, wie sie dem Knaben helfen woll­ten und ein Jeder hatte so viel dabei zu rathen und zu wünschen, bis sie endlich mit ihren Bcschlüffen fertig waren, daß es in der Hand prickelte und stach und der kleine Johannes davon erwachte.

Er schüttelte die schmerzenden Finger, die unter feinem Kopfe gelegen hatten und drehte sich auf die andere Seite, um wieder einzuschlafen.

Aber das wollte ihm durchaus nicht gelingen. Er setzte sich in seinem Bettchen in die Höhe und schaute in den Mond, der ihn mit seinem runden Gesicht anlachte, daß die ganze Kammer davon hell war und vor Allem das alte Clavier der Mutter, das neben dem Ofen in der Ecke stand. Johannes schaute sich vergnügt in dem hellen Stübchen um und als seine Augen auf das liebe alte Clavier fielen, da kam mit einem Male eine ganz unbeschreibliche l?ust über ihn, seine kleinen Finger auf demselben herum fahren zu laffen.

Doch eine geheime Angst hielt ihn davon zurück, denn nur zu oft hatte die Mutter ihm verboten, dies Instrument zu berühren. War es ja doch ihr einziges Kleinod, das allein noch übrig geblieben war aus jenen bessern Zeiten, als der Vater des kleinen Johannes noch lebte, ein bescheidner Musiker, der bald nach der Geburt des Knaben starb und Mutter und Kind in der bittersten Noth zurück ließ.

Da stand es, das heilig gehaltene alte Clavier, mit den dün­ne» Beinen und schnarrenden Saiten, für unserm Johannes der Gegenstand höchster Verehrung und Sehnsucht! Ach immer dringender ward sein Verlangen danach, immer ungeduldiger klopfte das kleine Herz, bis er es endlich gar nicht mehr aushal­ten konnte.

Vorsichtig kroch er unter seiner Decke hervor, kletterte bis an das untere Ende des Bettes, von wo er durch die offne Thür