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verehrt und liebt Dich Dein Volk — zu Dir, als zu dem Erhabensten der Sterblichen blicken wir auf in Demuth und Zerknirschung, von, Dir, o mächtiger Kaiser, geht Wohlthat aus und Milde — darum erbarme Dich und sei gnädig meinem Volke, das Dein erhabener Zorn unschuldig betroffen hat."
„Unschuldig, meinst Du, Hochweiser Rabbi?" höhnte Domitian, „nennt Ihr es unschuldig, dem Leben des Cäsars nachzustellen? Wir Römer nennen das Verrath! Und um dieses Verrathes willen sollen Deine Glaubensbrüder sterben."
„Der Allmächtige erleuchte Deinen Sinn, o mächtiger Cäsar," fiel hier Rabbi Akiba ein. „auf daß Du erkennen mögest, daß Keiner aus der Mitte unseres Volkes dem erlauchten Cäsar anders denn in Liebe und Verehrung naht."
„Dein allmächtiger Gott vermag den Cäsar nicht zu erleuchten," unterbrach ihn Domitian, „meine Götter aber haben mich bereits erleuchtet, und was sie mir kundgethan, das spricht keineswegs für Euer Volk."
„Vertraue den falschen Propheten nicht, o erhabener und gerechter Cäsar," nahm der Patriarch Rabbi Gamaliel das Wort, „sie sind Feinde Israels und wollen unseren Untergang. Und wer bürgt Dir dafür, großer und gerechter Domitian, daß Deine Propheten Dir die Wahrheit gekündet? Ist es nicht möglich, daß Falschheit und Arglist ihren Sinn verwirrt haben, auf daß sie mit ihren erlogenen Prophezeiungen Deinen Argwohn erwecken und Deinen mächtigen Zorn auf unsere Brüder herabbeschwören?"
„Bist Du ein besserer Prophet?" hohnlachte Domitian, „so wäre ich doch begierig, aus Deinem Munde zu vernehmen, was die Zukunft mir bringen soll."
„Deinem Knechte ziemt es nicht, o Cäsar," ergriff nun Rabbi Akiba das Wort, „den Schleier zu lüften, der die Zukunft verhüllt. Der Ewige, unser Gott, allein kennt und leitet die Geschicke der- Menschen."
„So mag er denn in Zukunft Euere Geschicke leiten," hohnlachte Domitian, „für jetzt aber beliebt es mir und meiner hohen Weisheit, die ja Euer Aeltester vorhin so gepriesen, Euch zu strafen, und bei des Cäsars Wort, die Strafe wird nicht zu gelinde sein."
Im Angesichte Rabbi Gamaliels stieg siedend heiß die Röthe des Zornes empor, und seine Lippen öffneten sich zu heftiger Gegenrede.
Da war, dies gewahrend, rasch Rabbi Josua ben Chananja vorgetreten, und sich vor dem Cäsar tief verneigend, begann er:
„Wohl bist Du weise, o Herr, und gerecht und herrschest wie ein Vater über Deinem Volke, daß Du zu einem beglückten gemacht hast. Weshalb also, o erhabener Cäsar, sollten gerade unsere Brüder, denen Du bisher stets ein gnädiger Schutz und Schirm gewesen, weshalb sollten gerade Deine jüdischen Uuterthanen einen so verruchten, vor Gott und den Menschen unerhörten Plan gefaßt haben?"
„Du sagst es selbst: unerhört! Ja, unerhört ist es, was mir von Eurem Volke bevorsteht, und darum sei mein Zorn unerbittlich. Geht! Ihr seid entlassen! . . . Nun, was zaudert Ihr noch?"
„Vergieb, o Cäsar," ergriff abermals Rabbi Josua das Wort, „wenn wir nicht zur Stelle Deinem Gebote gehorchen, und gestatte Deinen Knechten noch eines."
„Was begehrt Ihr noch?" brauste der Cäsar auf, „ist meine Gnade nicht unermeßlich?"
„Voll freudiger Zuversicht sind wir Deinem Throne genaht, Trauer im Herzen, läßt Du uns scheiden; allein, ehe wir wieder^' heimziehen gen Jabneh, wo unsere Brüder uns erwarten in Bangen und Zagen, flehe ich Dich an. o Cäsar, gieb uns Hoffnung, gieb. uns Aufschub."
„Nein!" unterbrach sie. ungeduldig werdend, Domitian, „nein! Morgen schon soll im Senate der Beschluß gefaßt werden. So ist mein Wille!"
In frommer Ergebung neigten sie ihr Haupt und wandten sich zum Gehen, da trat noch einmal Rabbi Josua an den Cäsar heran, und seine Stimme erhebend, daß ihr Ton den Raum erfüllte, sprach er, die Hände gegen das Haupt Domitians ausstreckend:
„Gelobt seist Du, Gott, unser Herr, Herr der Welt, der mit- getheilt hat von seiner Ehre und Herrlichkeit dem Menschen von Fleisch und Blut. Der Ewige, unser Gott, segne Dich und behüte Dich. Amen!"
„Amen!" wiederholten die Rabbinen, die Thüre hatte sich hinter den Gesandten geschloffen. — Längeres Schweigen herrschte jetzt im Saale. Dann wandte sich der Kaiser nachdenklich an den Kämmerer. „Hörtest Du's? Sie flehen den Segen ihres Gottes auf mein Haupt, auf das Haupt ihres Feindes! Sonderbar! Ein merkwürdig Volk, in der That!"
Und etwas wie Weichheit zitterte in seiner Stimme. Da wurde die Thüre geöffnet, und an der Schwelle erschien — die Kaiserin.
„Du hier, Domitia?" fuhr der Kaiser auf. und jede Regung von Sanftmuth und Milde, die für einen Augenblick sein Herz durchzuckt hatte, wich vor dem Anblick seiner Gattin, der Schuldigen.
„Vergieb, o Domitian," erwiederte die Kaiserin, nachdem der Kämmerer auf ihren Wink das Gemach verlassen hatte, „daß ich zu dieser ungewohnten Stunde vor Dein Angesicht trete, aber ich komme, um Gnade flehen. . ."
„Gnade!" schrie zornerfüllt der Kaiser, „ja, Du bedarfst wohl meiner Gnade für die Gräuelthat, die Du begangen. . . . Was that Calpurnia Dir? Weshalb schontest Du ihr junges Leben nicht?"
„Nicht dafür erfleht Domitia die Gnade ihres Gemahls. Ich bin schuldlos — bei den Göttern — ich ahnte nichts von jenem scheußlichen Mordplan'— nein, ich kam hierher, um im Herzen meines erhabenen Gemahls die Milde wachzurufen für Jene, die Dich zur Stunde verließen, den Tod im Herzen."
„Was kümmern Dich die Juden?"
„Es sind Menschen, o Herr! Schone ihrer."
„Hätten sie mein geschont, wenn mich die Götter nicht noch rechtzeitig vor ihren verruchten Plänen errettet hätten?"
„Prüfe und erwäge zuerst," wagte Domitia noch einmal, „wie es dem Cäsar gebührt."
„Dem Cäsar kommt es zu, zu strafen! Und darum treffe mein göttlicher Zorn ihr Haupt, wie er das Haupt von Calpurnias Mördern treffen wird!" Und sein Blick bohrte sich voll grimmen Hasses in ihr Antlitz.
Sie sah diesen Blick — und sie wußte sich verloren.
Tiefgebeugt, mit zu Boden gesenkten Blicken schritten die Gesandten durch den Vorsaal.
Da kam ein Mann in der pupurverbrämten Toga des Senators an ihnen vorbei:
Einen Augenblick verharrte er an ihrer Seite.
„Fürchtet nichts," flüsterte er, „Gott ist mit uns!"
„Wer bist Du, der Du uns Trost in die wunde Seele träufelst?"
„Flavius Clemens!" tönte jetzt die Stimme des anmeldenden Kämmerers, und der Senator verschwand in dem Gemache des Cäsars. (Fortsetzung folgt.)
Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

