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sehr interessant, wenn irgend Jemand über diesen „Tempel des verbesserten Gottesdienstes" einige nähere Mittheilungen machen könnte.
Es folgt hierauf der erste Brief von Zunz an Barnhagen, mit dem er ihm seine Schrift „Namen der Juden" (bekanntlich durch ein die Namen der Juden beschränkendes Dekret veranlaßt) übersandte. Der Brief lautet:
Berlin, 16. Dezember 1836.
Hochgeehrter Herr!
Das Aeußerlichste der Individualitäten, die Namen, habe ich aus einem gegebenen Standpunkt als ein Innerliches, geschichtlichem Leben Entsprossenes angeschaut und nachzubilden versucht. Dem Meister in der Zeichnung des historischen Individuums überreiche ich meine Skizze mit der Bitte, dieselbe annehmen zu wollen, wenn auch nicht als ein Kunstwerk, doch als ein geringes Zeichen der Hochachtung, mit der ich mich nenne Ew. Wohlgeboren ergebenster
Zunz.
In Varnhagens Tagebüchern (I. 124) finden wir am Dienstag den 23. April 1839 folgende Eintragung:
„Besuch bei Rahel de Castro aus Altona, die mir die Briefe von Rosa Maria und den Kindern gebracht hatte. Sie wohnt bei der Doktorin Zunz".
Varnhagen hatte also damals, wie es scheint, Zunz und dessen Gattiil bereits lviederholt besucht. Wer Rahel de Castro war, konnte ich leider auch nicht eruiren, wahrscheinlich aber stammte sie aus der alten Familie gleichen Namens, deren Ahnherrn, den Arzt Baruch Nehemia de Castro, gestorben am 7. Januar 1684 in Hamburg, Zunz in seinen „Sterbetagen" erwähnt.
Der nächste Brief in der Mappe ist an Varnhagens Nichte Ludmilla Assing gerichtet und lautet:
Berlin, 4. März 1847.
Sehr geehrtes Fräulein!
Beifolgend das von ihrem Herrn Oheim verlangte von Rapoports Hand- und Unterschrift. Es sind zwei Verse eines von ihm verfaßten hebräischen Gedichts. Auf der Kehrseite ist 'noch seine deutsche Handschrift. Ich habe selbiges gestern Abend erhalten und füge nur noch hinzu, daß der bescheidene Mann nicht wünscht, daß diese seine Handschrift etwa in eine gedruckte Sammlung von Facstmiles übergehe. Ihren weiteren Befehlen solo und Ihren Besuchen duo entgegensetzend
Achtungsvoll und ergebenst Zunz.
Das Autograph von Rapoport hoffe ich, sofern es sich noch in der Varnhagen'schen Sammlung befindet, meinen Lesern mittheilen zu können. Jedenfalls ist der Brief ein Zeugniß für die rührende Bescheidenheit des Mannes, den Zunz den „Begründer der Kritik in der jüdischen Wissenschaft" nennt.
Außerdem befindet sich nur noch ein Brief in der Zunz-Mappe. Er war eine Beilage zu dem Buche von Zunz: Zur Geschichte und Litteratur (Berlin 1845), das Varnhagen wahrscheinlich verlangt hatte. Dns Schreiben hat folgenden Wortlaut:
„Zur Lektüre ohne Hindernisse und für Leidende geschrieben, eignet fich im beifolgenden Roman:
Seite 1— 29 „ 120—213
„ 230-244
„ 371-404
„ 421-441
„ 484-534
Zugleich wünscht herzlich eine baldige Besserung
1. Mai 1851. Der Verfasser.
Das ist das letzte Schriftstück aus der Zunz-Mappe Varnhagens. Der Verkehr zwischen beiden Männern hat aber noch länger gedauert, und in den Tagebüchern Varnhagens findet sich oft der Besuch des „Doktor Zunz" init freundlichen Bemerkungen verzeichnet. Die Beziehungen zwischen den beiden Männern führen uns in eine Zeit
zurück, die längst vergessen und begraben, in eine Zeit des Aufschwlings und der Hoffnungen, die allerdings später in Erfüllung gegangen, nun aber längst wieder verweht sind. 6. K.
EUILLETON
Aus bangen Tagen.
Historische Erzählung aus der römischen Naiserzeit.
Von Carl Griot.
(Fortsetzung.)
ie schwere, purpurbehangene Thttre hatte sich hinter einem hohen Beamten geschloffen, der eben die Verwaltung einer Provinz anvertraut bekommen hatte und jetzt vom Kaiser die j nöthigen Weisungen empfing, als der Thürsteher die Gesandtschaft des j jüdischen Synhedrions meldete. Ueberrascht blickte der Cäsar empor, i Die Thüre ging wieder auf. und an der Schwelle des weiten Ge- j waches erschienen vier ehrfurchtgebietende Gestalten.
> Im ersten Augenblick war Domitian vor der Fremdartigkeit
; des Anblickes, der sich seinen Blicken bot, betroffen zurückgewichen. ! Und wahrlich, die Erscheinung der vier Rabbinen, die da urplötzlich, j wie hervorgezaubert aus einer anderen Welt, seinen Blicken sich dar- ! bot, kontrastirte seltsam mit der ganzen Umgebung. Hier ver- i schwenderische Pracht, üppiges, heiteres Behagen, gesättigter Farben- i reichthum, glänzender Marmor und kostbares Gestein, farbenprächtige (. Teppiche und heitere Göttergestalten, die weiße Toga, der goldene i Kranz im kurzen, aber wohlgepflegten Haar des Imperators — und dort die fremdartigen Männer aus dem Morgenlande, deren Kleidung in langen schwarzen Talaren bestand, deren Haar und Bart ungekämmt lang herabwallte, und in deren Zügen sich düsterer Grain mit ruhiger Entschloffenheit paarte.
! „Gelobt seist du Ewiger, König der Welt, der du von deiner
! Herrlichkeit hast gegeben an Fleisch und Blut!" j „Was schwatzt der Jude ?" wandte sich, als Rabbi Gamaliel ! geendet, der Kaiser an den hinter ihm stehenden Kämmerer.
„Soviel ich davon verstehe," gab diensteifrig der Adjutant zur Antwort, „ist es ein Gebet zu ihrem Gotte, daß sie Gnade fänden vor Deinen Augen, o Herr."
„Du irrst," sagte mit ruhiger Würde Rabbi Elieser ben Asarja, „die Worte unseres Patriarchen, des Rabbi Gamaliel, des obersten Hauptes des heiligen Synhedrion, enthielten einen Segensspruch für Dein gesalbtes Haupt, o Herr und Kaiser."
„Spart Eueren Segen," unterbrach ihn rauhen Tones der Kaiser, „Ihr werdet ihn selbst benöthigen — und mir, dem Cäsar, frommt der Segen des Judengottes verdammt wenig! Was wollt Ihr? Faßt Euch kurz! Die Zeit des Cäsars gehört seinen Römern ■ und nicht einem verrätherischen Volke."
„Erhabener Herr und Fürst!" begann mit ruhiger Würde Rabbi Gamaliel, „leihe uns für einige Minuten gnädig Dein Ohr und vernimm unser Flehen!
Vom fernen Osten sind wir hergezogen, wir haben der Mühsal » nicht gescheut und unserer Gebrechlichkeit, um an den Stufen Deines Thrones Dich, mächtiger Domitian, um Gn'ade anzuflehen für unser Volk. Du bist gerecht, o Herr, und hohe Weisheit ziert Deine Jugend. Dein Name ist gepriesen als der des Mächtigsten der Erde, es

