9 1

Ehe gefolgt, als daß man nicht auch einmahl das Gegentheil versuchen sollte. Vernunft sprach aus dem Mädchen, das mußte man ihr lassen. Am Schlüße äusserte sich das beynahe noch mehr, denn da schrieb sie: ,, Ich höre von meinem ,, Schwager, daß Ihr Äusseres recht vortheil- ,, Haft seyn soll, wäre aber auch schon zufrieden gewesen, wenn nur nichts Zurückstoßendes ,, darinn gelegen hätte. Denn wenn man sich Einmahl von der Vernunft zu einer so lei- ,, denschaftlosen Mariage überreden läßt, so muß man auch der Vernunft Ehre zu machen wissen, und Kleinigkeiten wie grade oder krumine Gesichtslinien übersehen können. " Das klang denn in der Thar so außeror­dentlich verständig, daß ich meiner Einbildungs­kraft allezeit Gewalt anthun mußte, wenn ich mir meine Braut ohne Bart denken wollte. Ich wendete auch bey jedem Gedanken an sie solche Gewalt wirklich an, weil ich fühlte daß der Mangel dieser männlichen Zierde an ihr noth- wendig mit zu meiner künftigen Zufriedenheit gehörte. Übrigens schlug der Vater in seinem Briefe die nächste Leipziger Michaelismesse zu unsrer Zusammenkunft, und der förmlichen Ver­lobung vor. Das rbar mir so vollkommen recht, fvie ich im Augenblicke zur Antwort schrieb?