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Am andern Tage war Rosa ernstlich krank. Sie hatte ein heftiges Fieber, das sie sich wahrscheinlich am Montage während ihres langen Ausbleibens durch Erkältung zuge­zogen hatte und das durch die große Aufregung, in der sie sich in den letzten Tagen befunden, noch erhöht war. Ihre Tante pflegte sie mit großer Liebe, und da Frau von Rei­chenbach stets sehr ungern in einer Krankenstube verweilte, so war es eiye um so größere Aufopferung von ihr, daß sie abwechselnd mit Mariannen ganze Tage, ja sogar Nächte bei ihrem kranken Lieblinge zubrachte. Nach drei Wochen endlich war Rosa so weit hergestellt, daß sie sorgsam einge­hüllt am Fenster im warmen Sonnenschein fitzen konnte, während die Tante oder Marianne ihr aus einem interessan­ten Buche vorlas.

Vier Wochen waren seit dem Balle verflossen, als Rosa an einem sonnigen Nachmittage an dem geöffneten Fenster saß, durch welches die warme Luft hereinströmte. Ihre langen Flechten waren, da es der Arzt gerathen, abgeschnitten worden, und kleine Locken, die ihr sehr gut standen, umgaben statt dieser ihren schönen Kopf. Ihr Gesicht war noch etwas blaß, aber jetzt durch die Freude über ihre wiedererlangte Gesundheit sanft geröthet. Dennoch lag eine stille Wehmuth in ihren braunen Augen und machte sich in einem leisen Seufzer Luft. Rosa betrübte sich nicht darum, während ihrer Krankheit die Vergnügungen der Gesellschaft entbehrt zu haben, nein, das war ihrem Herzen ein zu nichtiger Gegenstand, aber sie bedauerte aufrichtig, den schönen Mai,