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Wie gern hätte sie Stanislaus Nachricht von sich gegeben, ihn auffordernd, herbeizueilen und sie zu retten, denn nicht mit Unrecht vermuthete, sie daß man beabsichtige, ihrer Gefangenschaft eine längere Dauer zu geben; auch sagte sie sich, daß Menschen, die also handeln und sie entführen lassen konnten, um sie dann einzukerkern, sich auch nicht scheuen würden, so sie es für gut fänden, selbst Hand an ihr Leben zu legen. Ein williges Werkzeug hatten sie ja schon dazu in dem alten Soldaten gefunden, der in seinem verknöcherten soldatischen Gehorsam sie auch mit aller Gelassenheit ermorden würde, ohne zu fragen weshalb.
Grenzenlos elend fühlte sich nun Josepha; sie weinte, sie rang die Hände, sie klagte, allein damit konnte sie ihre Lage nicht verbessern. Dann aber kam der Trieb nach Freiheit desto lebhafter wieder und sie dachte, daß es trotz der Drohungen des Waldhüters doch möglich gemacht werden könnte, sich zu befreien, und daß es ihr auch gelingen könnte, Stanislaus Nachricht von sich zukommen zu lassen.
Als nun Frau Milla wieder kam, da versuchte es Josepha, sie zu erweichen und sie zu bewegen, ihr behilflich zu sein, ihre Freiheit wieder zu erlangen; sie bat, ihr Papier, Feder und Tinte zu verschaffen, damit sie dem Grasen Stanislaus schreiben und ihn zu seiner Hilfe herbeirufen könne.
Josepha's Bitten waren umsonst, das Weib entgegnete:
„Du bist wahnsinnig, solches von mir zu verlangen! Selbst wenn ich Dir helfen wollte, so dürfte ich es doch nicht, denn mein Mann schlüge mich todt. Er würde mich jetzt schon schlagen, wenn er wüßte, daß ich solche Worte anhöre."
Dann verlangte Milla von Josepha, sie solle keine solchen Zumuthungen mehr an sie richten und überhaupt keine Versuche machen, zu entkommen, ihr drohend, es dann ihrem Gatten entdecken zu wollen, der dann sogleich schärfere Maßregeln ergreifen würde.
So schwieg denn auch Josepha, sie war eingcschüchtert, ent- muthigt; sie hatte die Entdeckung gemacht, daß sie bei diesem Ehepaar auf kein Mitgefühl zu rechnen hatte. — O, ihre Feinde hatten ihre Werkzeuge für Ausführung der schlimmen Pläne gut gewählt.
Josepha dachte daran, ob es ihr nicht möglich sein sollte, sich mit einem der auf dem Hofe beschäftigten Leute in Verbindung zu setzen und denselben dann zu bewegen, ein Schreiben an Stanislaus

