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Auf allen diesen Gängen begegnete sie nie einem andern Hausbewohner und sie mußte nach und nach alle Hoffnung aufgeben, mit einem derselben einige Worte sprechen zu können, denn von ihrem Fenster aus konnte sie natürlich weder durch Worte noch durch Zeichen eine Unterhaltung anknüpfend.
So vergingen nicht nur Tage, sondern auch Wochen, ohne daß sich irgend eine Aussicht auf Erlösung zeigte; Josepha blieb vereinsamt, die schwachen Versuche, welche sie machte, den Waldhüter und seine Frau für ihr Interesse zu gewinnen, hatten keinen Erfolg, und die Nutzlosigkeit ihrer Bemühungen einsehend, unterließ zuletzt Josepha auch diese Versuche gänzlich.
Aber sie fühlte, daß ihr Ziel mehr und mehr heranrückte, daß ihre Entbindung nahe bevorstehe, und lebhafter Schmerz füllte ihre Seele, wenn sie dachte, daß das Kind, welches sie gebären sollte, in der Gefangenschaft das Licht der Welt erblicken, daß man vielleicht die Härte, welche man gegen sie selbst bewies, auch auf das Kind ausdehnen würde, welches doch an Allem, was den Zorn der Feinde hätte reizen können, unschuldig war.
So grämte sich Josepha, allein was half es ihr? Es blieb ihr doch nichts übrig, als den schwachen Schimmer von Hoffnung, den sie noch im Busen hegte, mit aller Kraft festzuhalten. Ein glücklicher Zufall hatte ja schon so manches Mal wahre Wunder gethan, warum sollte da nicht auch in ihrem Leben ein solcher Zufall wirkungsvoll eintreten können?
Da erschien ein fremder Mann bei ihr, es war ein Ordensbruder. Seine Erscheinung sagte Josepha wenig zu, denn trotz aller Freundlichkeit und Gutmüthigkeit, welche er seinem Gesichte zu geben verstand, konnte er doch einen versteckten Zug, der eine von Leidenschaft zerrüttete Seele, Tücke, Hinterlist und Scheinheiligkeit anzeigte, nicht unterdrücken.
Der Ordensgeistliche, welcher sich Simphronius nannte, näherte sich Josepha sehr zuthunlich, er suchte ihr Vertrauen zu wecken und sie so zu bewegen, ihm ihres Herzens Geheimnisse, wie überhaupt alle ihre Verhältnisse darzulegen, doch ging Josepha, von Mißtrauen ergriffen, darauf nicht ein. Sie beklagte sich gegen ihn vielmehr über die widerrechtliche Gefangenschaft, in welcher sie gehalten würde, und beschwor ihn bei dem heiligen Kleide, welches er trug, ihr zur Wieder-

