Siebentes Kapitel.

Des Pater Ignatius Thätigkeit.

Es war Sonntag und in und um das Schloß des Grafen Gol- chowsky herrschte ganz besondere Ruhe, denn die Herrschaft war auf einem Besuche abwesend und die Dienerschaft, vorauswissend, daß die Herrschaft erst in den Morgenstunden zurückkehren werde, hatte sich diese Abwesenheit zu Nutze gemacht und war nach dem Kruge ge­gangen, von dem die schrille Tanzmusik gar zu verlockend herüberklang, so viele auch der Mißtöne mit unterlaufen mochten.

Das Schloß war stattlich, es zeigte, daß der Besitzer einen sehr ansehnlichen Reichthum sein nennen mochte, ein Umstand, wegen dem die polnischen Staroften ehemals so berühmt waren, wie durch ihre Streitsucht und Käuflichkeit.

Da schritt ein einfach, aber gut gekleideter Mann über den Hof daher. Er schaute sich um und Niemanden bemerkend, schritt er an der Wand des Schlosses hin bis zu einem kleinen Pförtchen, öffnete dieses, trat dann in das Gebäude und stieg mit der Sicherheit, welche genaue Ortskenntniß verleibt, eine Treppe hinan, welche in einen Seitenflügel führte. Er durchschritt einen Corridor und blieb endlich an einer Thüre stehen, an welcher ein Schild befestigt war, auf dem man las: Pater Wozeck, Major dorne.

Der Mann pochte an und als es darinnenHerein!" rief, öffnete er ohne Umstände die Thüre und trat ein.

Der Bewohner dieses Zimmers, der Majordomus oder Haus­hofmeister Wozeck, war ein schon etwas ältlicher Mann von mittler Größe und mit sehr gewöhnlichen, sogar etwas schlaffen Gesichtszügen; in seiner Kleidung zeigte er eine gewisse behäbige Nachlässigkeit, welche auch in seiner ganzen Umgebung herrschte, die schon darauf hindeutete, daß hier eine Iunggesellenwirthschaft herrsche.