schnaubenden Pferde, der Jäger plauderte mit der Zofe. Maria fühlte sich durch diese Bemerkung beruhigt, denn die Leute unten ahnten gewiß nichts von dem, was sie vorhatte.
Gespannt überschaute sie nun mit raschem Blick ihre Umgebung. Diese war vollkommen leer und einsam, allein sie bemerkte in dem Schnee frische Fußspuren, beweisend, daß vor kurzer Zeit noch Leute dagewesen sein mußten. Von diesen Leuten selbst aber ließ sich nichts bemerken.
In den Wipfeln der Bäume brauste der Wind, Schneeflocken begannen aus den immer dunkler aufsteigenden Wolken herabzuschwimmen. und trotz ihrer warmen Kleidung fühlte sich Maria vom Frost durchschauert. Länger durste sie bei ihrem Umblicke hier nicht zögern; sie schritt schnell an die Thüre der Kapelle und öffnete sie. Diese war leer. Maria trat zögernd ein, es war ihr beklommen zu Muthe. In der Kapelle herrschte eine seuchtkalte Luft; der Wind psiff durch ein Paar zerbrochene Scheiben und trieb den Schnee in das Innere, dabei herrschte schon eine trübe Dämmerung in dem engen Raume.
Maria's Beklommenheit stieg, ihr Herz klopfte hörbar, der Athem wollte ihr stocken. — Wo waren die, auf welche sie hoffte? — War sie von Johannes verkästen, oder hatten sich ihm Hindernisse in den Weg gethürmt, die er nicht so schnell besiegen konnte?
Wenn dieses der Fall war, was sollte dann werden? Sollte sie dann in das Schloß zurückkehren, von welchem sie auf immer Abschied genommen zu haben glaubte, und dann nur die Wahl haben, entweder sich gewaltsam in das ihr verhaßte Kloster schassen zu lassen, oder sich in die Arme des Pater Florian zu werfen? Es war eine schreckliche Wahl!
In Seelenangst kniete sie an dem Altäre nieder, auf welchem das Bild der heiligen Barbara stand, und flüsterte ein heißes Gebet um Rettung aus dieser qualvollen Lage.
„Maria!" klang es da leise.
Die Gerufene fuhr empor und sah sich um. Dort an der Thüre stand ein in Pelz gehüllter Mann, und trotz der Dämmerung, die sic umgab, erkannte sie doch sofort die Züge des Gesichts.
„Johannes!" ries sie aufspringend.

