375

Es entstand eine Pause von mehreren Minuten und Florian benutzte dieselbe, um sich so weit als möglich zu sammeln. Dann trat er noch ein Paar Schritte näher zu der Tasel, neigte sich demüthig und sagte:Ich habe zwar die Weihen empfangen, bin aber doch nur ein sündiger Mensch, wie alle Menschen, der der Verzeihung Gottes und deshalb auch der Fürbitte der Heiligen sehr bedarf, und ich hoffe dieser nicht unwürdig zu sein."

Ignatius heftete bei den letzten Worten Florian's einen sehr ernsten Blick auf den Sprecher, so ernst, daß dieser unwillkürlich die Augen niederschlug.

Wieder erhob der Prior seine Stimme, Florian nochmals mah­nend, die strengste Wahrheit zu sprechen, und begann dann die An­klage damit, daß Florian das auf ihn gesetzte Vertrauen des Ordens getäuscht und selbst zu dessen Nachtheile gewirkt habe, statt auf dessen Vortheil zu denken und dafür alle seine Kräfte einzusetzen.

Florian wollte sich gegen diesen Vorwurf sogleich vertheidigen und ries:Wie komme ich zu dieser Anklage? Ich habe ja stets für die Gesellschaft Jesu meine besten Kräfte eingesetzt!"

Schweige und höre weiter!" unterbrach ihn der Prior und winkte dem Pater Ignatius.

Jetzt erhob sich Ignatius und hielt eine kurze Ansprache an die Versammlung, in welcher er sagte, daß es ihm leid thue, als An­kläger eines Mitbruders der heiligen Gesellschaft Jesu austreten zu müssen, daß er es aber thun müsse, da das Wohl des Ordens allem Anderen vorangehen müsse, das Wohl der Gesellschaft sei mit dem Wohle der Kirche auf das Engste verbunden, und wo es sich um die Kirche handele, da hörten alle Rücksichten auf, Vater und Mutter, Schwester und Bruder dürften dann keinen Anspruch auf Schonung mehr machen.

Nach dieser für Florian sehr unheilverkündenden Einleitung be­gann Ignatius seine Anklage zu entwickeln. Der erste Punkt ging dahin, daß Florian in das Haus des Grafen von Golchowsky ge­sendet worden, um daselbst zum Besten der Gesellschaft Jesu und der Kirche überhaupt zu wirken, seine Thätigkeit besonders dahin zu richten, daß die Nichte des Grafen, Maria, sich willig dem Kloster­leben widme, was ihr zum Heile und der Kirche zum Vortheile gereiche.