Dreißigstes Kapitel.
D i e Folterung.
Florian befand sich wieder in seinem Kerker und daselbst versank er in einen Zustand der Verzweiflung, denn sehr wohl sah er die Gefahr, in welcher er schwebte und welch einen furchtbaren Gegner er in dem Pater Ignatius hatte; aber er war auch überzeugt, daß, trotzdem es Ignatius beharrlich in Abrede gestellt, Niemand als Maria die Enthüllungen gemacht haben könnte, die ihm nun so gefährlich zu werden drohten. Wuth bemächtigte sich da seiner und er war fest entschlossen, außerdem, was er schon zugegeben hatte, nicht das Geringste einzugestehen, sondern sie womöglich als Lügnerin darzustellen, als Verbrecherin, die sich bemühte, einen geweihten Priester aus bloßer Rachsucht in's Unglück zu stürzen.
„Keine Silbe gebe ich zu und ob sie mir Glied vor Glied vom Leibe reißen!" So war Florians Entschluß und er verbrachte die Nacht und den folgenden Tag im Nachsinnen über neue Vertheidungsmittel, denn daß es nicht bei dem einen Verhöre bleiben würde, dessen war er gewiß.
Zum zweiten Male kam die Nacht, wieder ging die Thüre aus und es traten ernst und finster ein Paar Paters ein, den Gefangenen auffordernd, ihnen zu folgen. Sie führten ihn in jenes düstere Gerichtszimmer, wo der Prior mit seinen Auserwählten und der furchtbare Ignatius anwesend waren, und wieder begann das Verhör, welches sich jetzt aber in der Hauptsache nur darum drehte, den Anklagten Geständnisse zu entreißen, namentlich über den Punkt, daß Florian seine Religion habe abschwören und in die Reihen der Ketzer übertreten wollen.

