385
Mit Heftigkeit stritt dieser dagegen; er suchte Beweise zu führen, daß er unschuldig an Allem sei, was man ihm zur Last legte; aber man wollte keinen neuen Wortstreit, sondern einfache Geständnisse.
„Bleibst Du bei Deinen Aussagen?" fragte endlich der Prior.
„Ja. denn ich kann nicht anders," entgegnete Florian. „Ich habe die Wahrheit gesprochen!"
„Kannst Du dieses mit einem Eide bekräftigen?" fragte der Prior wieder und ließ zugleich einen lauernden Blick über den Angeklagten streifen.
Florian ergriff freudig die gebotene Gelegenheit, durch Ablegung eines Eides sich von allen Anklagen frei zu machen, denn er war der Meinung, daß sein Schwur nur von guter.Wirkung sein werde. — Ueberdies konnte er auch fast nicht anders; denn den angetragenen Eid verweigern, hieß auch zugleich sich als schuldig zu bekennen und damit sein Verderben besiegeln.
„Ja. ich kann es!" sagre Florian nun keck.
„Weißt Du nicht, was es zu bedeuten bat, wenn Du einen falschen Eid leisten solltest?" warnte der Vorsitzende.
„Ich bin geweihter Priester und als solcher weiß ich es so gut, daß keine Mahnung nöthig ist." erklärte Florian.
„Wohlan, so schwöre!" rief nun der Prior.
Er ergriff das auf der Tafel stehende Cruzifix, hielt es dem näher getretenen Angeklagten vor, ihn auffordernd, seine Finger auf das geheiligte Zeichen des Christenthums zu legen und den Eid nachzusprechen, den er ihm vorsagen werde.
Florian that Alles, was man von ihm verlangte, er legte seine Finger auf das Kreuz und sprach dann mit bald fester, bald etwas stockender Stimme die ihm vorgesagte Eidesformel nach, in welcher er betheuerte, daß alle gegen ihn erhobenen Anklagen grundlos seien und er sich vollkommen rein und unschuldig fühle; die Eidesformel lautete schließlich noch dabin, daß, so er falsch geschworen, er sich jeder Strafe unterwerfen und selbst auf die ewige Seligkeit verzichten wolle.
„Amen!" schloß der Prior.
„Amen!" sagte auch Florian und trat erleichterten Herzens zurück- Sehr gut hatte er gesehen, wie sich Aller Augen fest auf ihn geheftet, während er den Schwur gesprochen, und wie namentlich Ignatius
25

