Sieöemmdvrerzigstes Kap riet.

Zwei Ordensschwestern.

Wieder sind Jahre verflossen; das Jahr 1869 ist gekommen, und während der Zeit hat sich in der Welt draußen gar Vieles ver­ändert, Einzelnes zum Besseren, Vieles zum Schlechteren, obgleich man es den Menschen einzureden suchte, das Schlechtere sei das Gute, das Bessere das Schlechte.

Aufstände waren emporgelodcrt und wieder gedämpft, Kriegs­stürme waren über die Länder gebraust und hatten zum Theil ge­waltige Veränderungen verursacht, hatten lange Bestehendes umgestürzt, und die Zahl der ihrer Länder entsetzten Fürsten war immer größer geworden. Da und dort meldeten sich auch wieder Sturmvögel, neue Verwickelungen, neue Kämpfe verkündend, die über kurz oder lang doch Hervorbrechen müssen.

An den Mauern der Klöster prallen scheinbar solche Stürme, die oft einen ganzen Erdthcil erschüttern können, machtlos ab, es sei denn, daß die Stürme zuletzt sich auch gegen die Klöster selbst richten, und sie denselben, als nicht mehr zeitgemäß, den Untergang drohen. Aber in den Klöstern selbst, die als ein Asyl der Ruhe erscheinen, herrschen doch oft genug gleichfalls gewaltige Stürme, von denen die Außen­welt nichts weiß, sie vielleicht nicht einmal ahnt. Das Kloster heißt ja die Stätte des Friedens, der Beschaulichkeit, und blöde Augen be­trachten es auch wirklich als solche. Allein das Kloster ist eine Welt im Kleinen und in dieser Welt leben auch Menschen, und diese Menschen haben Leidenschaften, wo aber Leidenschaften herrschen, da giebt es auch Stürme. '

Nicht minder hatte es auch in dem Kloster der Karmeliter- Barfüßerinnen zu Krakau manchen Sturm gegeben; Streitigkeiten der Nonnen unter sich, Aufhetzungen gegen einander, Verdächtigungen,

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