198 Wie denkt der Christ über die Leiden
wie groß ist in dieser Hinsicht der Unterschied unter den Menschen! So empfindet und trägt denn ein Jeder auf seine Weise und so können die nämlichen Unfälle, die nämlichen Prüfungen, die für diesen äußerst empfindlich und drückend sind, von jenem leicht getragen werden. Ja, der nämliche Gegenstand, der dem Einen zum Verderben gereicht, kann einem Andern zur Wohlfahrt und zum Segen gereichen. Zudem können die nämlichen Unfälle und Plagen, die die Bösen wie die Guten treffen, bei beiden unmöglich die nämlichen Zwecke haben. Dies lehrt uns auch die heil. Schrift; sie macht einen großen Unterschied zwischen der Natur und den Zwecken der göttlichen Prüfungen. So heißt es beim Propheten Ezechiel in Bezug auf Israel: Er hat sie oft gezüchtigt, was hat es geholfen. Es will der bösen Kinder Ruthe nicht helfen, spricht der Herr, Herr! Außerdem spricht die Schrift von göttlichen Strafen und väterlichen Züchtigungen. Sie spricht auch von Prüfungen und von Erduldung von Leid und Kreuz.
Strafe nennen wir diejenigen Uebel, die uns wegen Uebertretung der göttlichen Gesetze und Schmähung ihres Ansehens, zur Handhabung derselben, durch die Hand Gottes, als obersten

