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„Ja ein Brief von Heinrich," rief der Schulmeister aus, als er die Aufschrift las: „Gott Lob, so lebt er noch. Und wie schwer und wie groß ist der Brief, da muß viel drinnen stehen. Bleibt, Nachbar, ihr sollt auch erfahren, was Heinrich schreibt, und mögt, so es euch gefällt, die Abendsuppe mit uns essen."
Und der Brief ward geöffnet, und die Zeit der Abendsuppe kam und ging vorüber, und der Wächter rief die Mitternachtsstunde ab, und noch saßen sie zusammen, der Schulmeister und sein Weib, der Corporal und der Nachbar, und Selma, denn die ging der Brief besonders an; sie saßen da, ergriffen und weinend, von Hoffnung und Furcht erfüllt, und Eins nach dem Andern fragte, und fragte wieder, und gab Rath; denn der Brief war ein schöner, ernster Brief.
„Wohl dem, der Freude an seinen Kindern erlebt!" rief der Schulmeister tief gerührt. „Wie doch dem Vater- und Mutterherzen ein solch Wort aus Kindesmund so wohl thut! Glaub' dir's, du treue Kindesseele, daß dein Herz daheim ist bei Vater und Mutter, und daß du täglich betest für der Schwestern Wohl! Glaub' dir's, daß du einen Sparpfennig sammelst für uns daheim, zu vergelten die Wohlthat! Und Selma du, was sagst du zu dem, das der Brief erzählt? Dir gibt er Hoffnung, Vater und Mutter wieder zu finden, freust du dich darüber? Aber Selma antwortete nicht; ihr war zum Sterben wehe. Alles was seit Jahren in ihr gelegen von Furcht und Hoffnung, was sie oft gewaltsam zurückgedrängt, wonach sie sich gesehnt und wovor sie sich doch gefürchtet, das war nun mit einem Male ihr nahe getreten, und es brachte nicht Freuve, nein, neuen Schmerz.

