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gen sein, von seinem Sitze aus das Christenthum kn unsre Gegend einzuführen. Der bischöfliche Stuhl zu Meißen stand unmittelbar unter dem Papste, nicht unter einem Erzbischöfe.

Es ist bereits oben gesagt worden, daß der Bischof Bruno II. Stolpen mit Zubehör kaufte, 1219, und daß nun Stolpen die Residenz der Bischöfe zu sein pflegte. Die­ser Bruno II., ein Herr v. Baruth, stiftete, um die Wen­den, deren Sprache er redete, zu bekehren, die Collegiat- kirche St. Peters zu Budissin sammt dem Domkapitel. Er verordnete, daß allemal der älteste Canonicus zu Meißen Probst zu Budissin sein sollte. Diesem Probst trug er zu­gleich das Archidiaconat auf, das vorzüglich die Lausitz in sich begriff *). Ein solcher Domprobst und Archidiaconus hatte die geistliche Gerichtsbarkeit über Alles, was zum Archi- diaconat gehörte. Unter ihm standen 9 Erzpriester **). Der Eine derselben, der zu Löbau, hatte unter andern Dörfern auch Beyersdorf unter seiner Aufsicht, das damals mit Op- pach vereint gewesen sein mag. Später löste die Reforma­tion dieß erzpriesterliche Amt. In unsrer Nähe fanden Lu­thers Lehren zeitig Eingang. So soll 1522 der Pfarrer zu Postwitz unter beiderlei Gestalt das Abendmahl ausgetheilt haben. In Oppach soll schon 1524 der Pfarrer, welcher damals zugleich Diaconus in Beyersdorf war, kirchliche Reform vorgenommen haben. Demnach hätte Beyersdorf schon frühzeitig einigen Antheil an den Wohlthaten der Lu- therschen Reformation genommen. Jndeß, im Allgemeinen gings damals mit dem Reformiren im Amtsbezirke Stolpen nicht leicht. Hier waren die Bischöfe Herren und sie waren streng. Man brauchte sogar gegen einige der Reformation geneigte Geistliche Gewalt. Weil jedoch Oppach in der Lausitz lag, so konnte der Bischof dem dasigen Pfarrer nicht füg­lich mehr viel anhaben und so genoß Beyersdorf einen Vortheil vor andern zu Stolpen gehörigen Orten. Doch die evangelische Freiheit war stärker, als die Macht des Bischofs. Die Lage desselben wurde immer schwieriger. Dieß hatte, nebst noch andern Ursachen, die hier nicht anzuführen sind, zur Folge, daß 1558 der Bischof Johann IX., ein Herr v. Haugwitz aus dem neuen Hofe zu Putzkau, das Amt und die Stadt Stolpen an den Churfürst August von Sachsen abtrat, der ihm dafür Mühlberg gab. Der Bi­schof trat hierauf zur evangelischen Kirche über und heira- thete. Die Uebergabe an den Churfürsten erfolgte in gehö­riger Form d. 14. und 15. Januar 1559.

Man schritt sogleich mit allem Ernste dazu, die Refor­mation im ganzen Amtsbezirke einzuführen. Schon zu Ende 1558 kam eine Churfürstliche Commission nach Bischofswerda, um daselbst den evangelischen Gottesdienst einzurichten und einen Superintendenten einzusetzen. Als der kirchliche Zu­stand Bischofswerda's geordnet war, reisten die Commis­sarien in Begleitung dieses ersten Superintendenten ***) von einem Kirchspiele zum andern, weil, wie in Heckels Chro­nik stehtdie päpstlichen Greuel im ganzen bischöflichen Amte noch in vollem Schwange gingen " Von Beyers­dorf kann das freilich im vollen Sinne nicht gelten, obgleich erweislich in den meisten Orten der neuen Ephorie die Re­formation erst jetzt eingeführt wurde. Daher wurden in der ganzen Ephorie in den Jahren 1659 und 1759 Jubelfeier­lichkeiten wegen Einführung der Reformation gehalten. Da bei uns also vollständig oder wenigstens unter gesetzlicher Auctorität erst 1559 die Reformation eingeführt wurde, so konnte das Jahr 1839 bei uns nicht als ein eigentliches Ju­beljahr angesehen werden, sondern diese Auszeichnung wird erst dem Jahre 1859 gehören.

Die Kirche.

Dieß alte Gotteshaus, welches auf einer Anhöhe liegt, muß vor Zeiten den Ansprüchen völlig genügt haben, welche ein neuer theologischer Schriftsteller -f) an die Kirchen hin­sichtlich ihrer Umgebung macht, indem er sagt, eine Kirche müsse von einem Haine umgeben sein. Man konnte es ein

*) Das Bisthum Meißen hatte 9 Archidiaconate (Müllers Geschichte der Deformation in der Oberlausitz).

**) Nämlich die Erzpriester der geistlichen Stühle zu Camenz, Sorau, Löbau, Reichenbach, Görlitz, Hohnstein, Stolpen, Lauban, Seidenberg, Bischofswerda.

***) Er hieß Hieronymus Opitz, und war zu Lobendau in der Herrschaft Hainspach 1519 geboren. Siehe Sterns Bio­graphien der Superintendenten zu Bischofswerda.

4) Consistorialrath Strauß in Berlin.

Waldkirchlein nennen. Auf der Vorderseite, nach dem Dorfe zu, hat dichtes Laub - und Nadelholz gestanden, wo jetzt die Pfarrwiese ist, in deren Grunde noch reichliche Ueberbleibsel davon gefunden werden. Hinter der Kirche, wo jetzt Pfarr- seid ist, stand bis 1743 ein Stück alter Wald, welcher, weil das Holz kerndürr geworden war, mit Genehmigung der Kircheninspection niedergeschlagen wurde *). Hernach war noch eine Kirchhof-Linde, welche in alten Kirchrechnungen die große" genannt wird, der letzte ehrwürdige Schmuck. Die jetzigen wenigen Baume des Kirchhofs sind Kinder neue­rer Jahre. Die zwei darunter befindlichen Eichen pflanzte man am Vorabende des Reformations-Jubiläums 1817.

Die Kirche ist ein Ueberrest sehr alter Zeit, und dadurch ehrwürdiger, als.durch ihren Werth hinsichtlich der Gestalt und Ausstattung. Ursprünglich faßte sie wenig Kirchengän­ger und jetzt weniger, als hineingehören. Die Zeit der Erbauung ist unbekannt. Ursprünglich mag sie eine Kapelle gewesen sein. Später war sie Filial von Oppach. Die Nachricht, daß die Kirche nach der Reformation lange Zeit wüste gestanden habe,indem sie von denen Böhmen verderbet worden" **), dürfte wohl nicht von der Zeit der Sächsischen, son­dern von der durch I. Huß in Böhmen begonnenen Reformation zu verstehen sein ***). Sie soll deshalb lange Zeit wüste gestanden haben, weil die Gemeinde außer Stande war, sie wieder herzustellen. Darüber, wenn diese Wiederherstellung erfolgt sei, sind Nachrichten nicht vorhanden; soviel aber ist erwiesen, daß dieselbe vor der Mitte des 16. Jahrhunderts geschehen sei. Daß die Rechenbergsche Familie sich darum das Hauptverdienst erworben habe, ist sehr wahrscheinlich. Unter den Verwüstungen und dem langen Elende des dreißig­jährigen Krieges mochte sie wieder sehr in Verfall gerathen sein. Als dann in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts Friede herrschte, konnte örtlicher Verhältnisse wegen, wenig für die Kirche gethan werden. Es war hier eine Babylo­nische Verwirrung nach dem Tode des Caspar Christian v. Schwanitz und auch schon zu seiner Zeit eingerissen. Das Kirchenvermögen nämlich, mit Ausnahme einiger Kleinig­keiten , stand auf dem niedern Rittergute. Dieser v. Schwa­nitz hatte längre Zeit keine Zinsen mehr gezahlt und war 1670 insolvent gestorben. Während der 17 Jahre, in denen die v. Ziegler und Klipphausen Nieder-Beyersdorf besaßen, wuchs die Noth der Kirche, weil weder das Schwanitzsche Creditwesen geordnet wurde, noch die Ziegler selbst zahlten. Der Streit ging bis in die Zeiten des Sahrer von Sahr. Pastor Gudeborn schrieb 1690:Die Kirche hat keinen baaren Heller auf den Proceß zu verwenden, weil nicht ein Scherflein im Gotteskasten von den Zinsen und Niemand nichts giebt; und zwar ist eben die Zieglersche Sache eigent­lich in culpa und res mal! exempli. Denn die Cenfiten stoßen sich alle daran und sagen: Wenn diese nichts geben, so geben wir auch nichts, u. s. w." Der Pastor Luther schreibt in derselben Sache 1694 in einem Briefe vom 28. Juli an den Actor der Kirche, daß die Baufälligkeit der Kirche ihn treibe, dringend zu bitten, daß das Möglichste gethan werde, Zahlung auszuwirken. Unter Andrem sagt er:daß die Herren v. Ziegler der Kirche die ganze Summe auf Ein­mal auszahlen wollen, habe ich von unserm Hrn. v. Rechen­berg neulichft gehört. Wollte aber Gott, die Zeit wäre vorhanden, damit wir noch könnten Vorkommen, ehe uns die halbe Kirche einfällt." Nachdem den 9. Jan. 1695 diese Zahlung endlich erfolgt war, beeilte man sich, noch in dem­selben Jahre den verfallenen Thurm und das Dach der Kirche zu repariren. 1700, als v. Grünroth nur Nie­der-Beyersdorf besaß, erbaute er auf eigne Kosten eine neue Sacristci. Auch die daran stoßende Gruft und das über ihr befindliche herrschaftliche Betstübchen dankt ihm die Entstehung. Ansehnlichere Veränderungen nahm man 1702 vor. Es wurde nämlich ein neuer Altar aufgeführt, die Kanzel erneuert, alle Stände wurden neu gebaut, der Bo­den gepflastert, auf der Abendseite brach man neue Fenster in die Mauer und vergrößerte die alten; ein neuer Beicht­stuhl wurde gebaut und die Emporkirchen mahlte man. Bis­her hatten die Mannspersonen innerhalb der Kirche auf Chor

*) Der Erlös des verkauften Holzes wurde zum Kirchen­vermögen geschlagen, um von den Zinsen der Pfarrstelle eine Verbesserung zu verschaffen.

**) Dietmann's, der Augsburger Confessio« zugethane Prie­sterschaft im Churfürstenthum Sachsen bis auss Jahr 1752.

'*') Die Hussiten zerstörten auch andre Kirchen unsrer Ge­gend, z. B. 1429 die zu Gersdorf.