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sehr gelehrt war, aber doch um seines Zuchtsystems willen in noch größerem Rufe stand, da Letzteres ohne die erster- Eigenschaft rein unerträglich gewesen wäre. Ich verblieb an diesem Sitze der Wissen­schaften, bis ich mein siebenzehntes Jahr erreicht hatte, ohne daß sich in dieser langen Zeit etwas Denkwürdiges zugetragen hätte. Ich erhielt regelmäßig alle drei Monate zwei Briefe den einen von meinem geehrten Vater, der von wohlmeinendem Rathe über­strömte, den andern von meiner liebevollen Mutter, welcher zwar kürzer war, aber glühende Gebete für meine Gesundheit und mein Wohl enthielt, obgleich alle diese guten Wünsche in sehr schlechtem Englisch ansgedrückt waren.

Während meiner Schulzeit genoß ich nur sehr wenig religiösen Unterricht, und ich darf wohl sagen, daß ich mir das bunteste Glau- benssystem zusammenlaS gemischt auS den verschiedenen Ma­terialien , die mir meine klassische Lektüre, Kanzclredcn und zuletzt namentlich die heiligen Schriften boten.

Von Norwich aus verbrachte ich gleichfalls meine Ferien bei den Korrespondenten meines Vaters, und die lange Erfahrung ließ auch mich ans dem Grade der Herzlichkeit oder der Zurückhaltung, womit ich ausgenommen wurde, fast auf's Haar hin sagen, ob ihr Verkehr mit meinem Vater für England günstig oder ungünstig stand.

Ich möchte sagen, daß sich nach meinem Abgänge von Norwich mein Charakter erst entwickelte, wenn ich nicht wüßte, daß ich da­mals durchaus keinen Charakter besaß. Ich war nichts Anderes, als ein Gemisch von Verneinungen nicht gerade gescheidt, aber gewiß auch nicht einfältig nicht schön, aber doch in keinem Falle abstoßend. Bis jetzt hatte ich mich noch nicht für die Wahl irgend eines Standes entscheiden können. Ich war froh unter den Heiteren, traurig unter den Betrübten und lebte nur den Eindrücken des Augenblickes. Obgleich ich mir keine Laster zum Vorwurf machen konnte, so war ich doch auch nicht für die Liebenswürdigkeit der Tugend