&g leuchtet unmittelbar ein, wie nothwendig und innig die Entwickelung der Wissenschaft mit der des menschlichen Geistes, als ihres Trägers, Zusammenhänge; woraus sich dann ebenso nnmittelbar das Recht des Anspruches herleiter, den große Männer durch ihr mächtig forderndes Wirken im Gebiete der Wissenschaft auf unsere Achtung und Bewunderung haben. Abgesehen also auch von dem an sich hohen Werthe und vielfachen Nutzen des biographischen Theiles der Wissenschaft, würde schon die solchen Männern schuldige Anerkennung verpflichten, ihnen eine ihren Ver­diensten angemessene Stelle im dankbaren Andenken der Mit- und Nachwelt zu sichern. Ganz besonders aber fühlt sich die Wahl des Biographen zur Schilderung solcher Persönlichkeiten hingezvgcn, deren segenvolles Wirken dahin ging, das edle Metall, das sie aus den Tiefen der Wissenschaft zu Tage gefördert, in allgemein gangbare Münze umzusetzen, und so das allgemeine Wohl, dem sie sich in edler Aufopferung Hingaben, im möglichst größten Kreise ihrer Mitmenschen nach Kräften zu fördern und zu erhöhen.

Ein solches Bild erblicken wir in dem wissenschaftlichen Wirken des Drs. Adolf Martin Pleischl, k. k. n. ö. Regierungsrathes und emeritiiten Professors der Chemie, dessen Leben nicht nur durch seltene wissenschaftliche Leistungen, sondern auch durch die allgemein nutzbringende Anwendung derselben eincn der wichtigsten Be- standtheile der Geschichte berühmter und verdienstvoller Männer unseres Jahrhun­derts bildet.

Die Chemie hat in den letzten Dezennien die alten Gränzmarkrn weit über­schritten, und besonders in ihrem praktischen Theil eine Höhe erreicht, von der sie stolz auf die verflossenen Jahrhunderte herabblicken kann. Wenn sich Diejenigen, denen sie in dieser Hinsicht ihre Ausbildung verdankt, unsterblichen Ruhm erworben haben, so ist das Verdienst Derer nicht minder groß, welche die Chemie in unserem Vater- lande auf jene bedeutend höhere Stufe gestellt haben; und welch' großer Antheil an diesem Verdienste unserem unvergeßlichen Lehrer Dr. Pleischl gebühre, soll in Nachstehendem auf einfache Weise hervorgehoben unb gewürdigt werden.

Adolf Martin Pleischl, k. k. Regierungsrath, emeritirter Professor der all­gemeinen und pharmazeutischen Chemie an den k. k. Universitäten zu Prag und zu Wien, Doktor der Medizin, Magister der Geburtshilfe, Mitglied vieler in- und aus­ländischen Gelehrten-Gesellschaften und Vereine, ward am 10. Oktober 1787 im süd­lichen Böhmen, in dem zur sürstl. S ck) w a r z e n b e rg'schen Herrschaft Krumau ge­hörigen Dorfe Hvssenreith (im Budweiser Kreise) geboren. Damals war der Name Pleischl bloß airf Hoffeureith beschränkt und breitete sich erst später weiter aus.

Der Großvater Matthäus ging früh mit Tod ab, und hinterließ sechs Kin­der, fünf Söhne und eine Tochter. Die Großmutter Magdalena, geborne Schön­auer aus Deutsch-Haidl, heirathete aus Liebe zu ihren Kindern nicht mehr, sondern betrieb die kleine Wirtschaft unter den ungünstigen Umständen einige Jahre fort, bis ihr Sohn Joseph geboren am 22 . Februar 1760 16 Jahre alt war;