Die Vergeltung.

In dein Hause des reichen Kaufmanns Weyhing war sehr viel von merkantilischen Unternehmungen, von Gewinn und Verlust, oder auch von großartigen Gesellschaften, Bäl­len und Schauspielen, aber desto weniger vom Worte Got­tes die Rede. Man lebte, wie man oft zu leben pflegt. Über den Tag war Herr Weyhing mit unermüdeter Thätig- keit auf dem Comptoir beschäftigt, und auch Madame Wey­hing war keine schlechte Hausfrau; sie leitete mit Pünktlich­keit und richtigem Blick ihren weitläufigen Haushalt und nie sah man sie müßig. So wie aber der Albend erschien, ließ man die Geschäfte ruhen und suchte und fand Unterhal­tung und Zerstreuung. Entweder empfing man Gesellschaft im eigenen Baisse, oder man fuhr zu Bekannten, oder ein neuer Sänger, eine vielbesprochene Schauspielerin zogen die Aufmerksamkeit in's Theater, in den Conzertsaal. Der Sonntag machte nur in sofern eine Ausnahme, als die Ver­gnügungen schon einige Stunden früher, schon des Mittags ihren Anfang nahmen. Den Sonntagmorgen brachte Herr Weyhing regelmäßig auch auf dem Comptoir zu, und das am liebsten, weil er da am ungestörtesten seinen Arbeiten sich widmen zu können glaubte. So wie aber die Glocke eins schlug, wurde Buch und Casse geschlossen und die Feier­stunde, wie er sich auszudrücken pflegte, war eingetreten. Madame Weyhing fuhr gewöhnlich zur Kirche, denn dieß gehörte zu ihrer Hausordnung. Gewiß erhielt sie hier auch zuweilen gute Eindrücke, aber durchgreifend konnten sie schon darum nicht sein, weil sie dieselben, statt sie sorgsam zu bewahren und zu pflegen unter den Sorgen und Freuden