״ 97

Weh' jedem Haus, in dessen Theilm ,

Die eigenen Zerstörer weilen '.* *)!'

Wer könnte da gerecht erscheinen.

Wer sich gesellen zu den Reinen?

Der Räuber kommt in unsre Hallen, ' -

Mit List, mit Macht uns anzüfallen.

Darum"), Allgütiger, hast Du ein Heilmittel für unsere Uebel, Balsam für unsere vernachlässigte Wunde, eine)! Verband für unser krankes Herz zubereitet. Diesen Tag hast Du zur Vergebung und Sündentilgung eingesetzt. Da kommen :vir zu Deinen Pforten mit Gesang, und begrüßen mit Gebet Dein Angesicht. Wir gedenken der Frommen, die in jener Doppelhöhle schlummern.

Auf daß Du gnädig Ohr uns leihest,

־־ Die Seel' von jeder Schmach befreiest,

Ausjätest alle Sünd' und Schuld,

^ Daß neuerblühe Heil und Huld;

Auf daß Dein Zorn, o Herr, sich lege,

> Und reiches Mitleid Dich bewege. . - ,

!8)' Das Haus ist die Person des Menschen, die Zerstörer sind

* seine zügellosen Begierden und Leidenschaften. Niemand ist von diesen frei. Das Herz steht der Versuchung offen, und in die ge- öffnete Thüre dringt der Räuber unseres Glückes, die,Sünde, ein, um das Herz mit List und mit Gewalt zu berauben.

IS) ,Es ist also, bei dwser leichten Verführbarkeit des Menschen, zu 'seinem Heile erforderlich, daß ihm die Hand zur Aufrichtung von oben gereicht wird. Ohne diesen Beistand müßte der Mensch immer mehr versinken. Die Hand Gottes muß sich ins Mittel legen, um den Zwiespalt zwischen Leib und Seele auszugleichen, den Frieden im Menschen wieder'herzustellen, um ihn dadurch zu neuem Streben Kraft und Muth zu geben. Und dieses Mit- tel zur Aufrichtung des versöhnungsbedürftigen ׳ Menschen hat Gatt durch die Einsetzung des Jom. K i p p u r i m verliehen. , Das ist die hohe Idee dieses Ta- ges, und darum zieht er wie ein Magnet alle gottverlangenden Herzen an. Die irdische Creatur fühlt, daß sie oft das Heilige in sich entweiht, und dadurch Gott selbst sich entfremdet habe, sie'ergreift mit Freuden die Hand, die Gott selbst zur Versöhnung darbietet. Der Versöhnungstag ist uns der erfrischende Quell, aus welchem unsere Seele alljährlich neugeweiht und neugestärkt hervorgeht, so daß sie ihre Flügel erhebt, und sich unmittelbar in die Nähe Gottes versetzt fühlt.

7