Den Anstoß schaffe weg Dein Rath,

Daß wieder ebne sich der Pfad,

Daß, die sich wenden von den Sünden"),

Den Weg zur Rein'gung offen finden.

Wenn weg Du hebst den Frevelmuth,

Die Schuld versenkst in tiefe Fluth.

II. 3«, diesen Tag hast Du vor allen Tagen geheiliget, über alle Tage des Jahres ihn erhoben, ihn hast Du unter allen Dir besonders zugeeignet, und dem Geschlechte der Offenbarung seine Kraft kund gethan. Den Flecken des goldenen Kalbes hast Du einst durch ihn wieder ausgeglichen *'), die h»rrliche Schrift Deinem demüthigen Diener mitgetheilt, und hast die erbetene Ver- gebung ihm verheißen, das beschlossene Nebel zurückgenommen und Deiner Kinder Dich wieder erbarmt. Da offenbarte sich über ihnen erhaben wie der Himmel Deine mächtige Gnade; ferne von ihnen, wie der Aufgang ist vom Niedergang, schafftest Du ihre Schuld, wie von Urgebirgen strahlte der Väter Verdienst auf sie herab, Ustd wie der Vater den Sohn, nahmst Du sie liebreich wieder auf, erhobst ihr Haupt, erhöhtest ihr Herz, und suchtest sie überall zum Heile auszuzeichnen. Deine Zuneigung offtnbartest Du vor aller Welt, Deine Liebe für sie vor allen Augen; unter ihnen wolltest Du wohnen. Dein Lager beschlössest Du in ihrer Mitte aufzuschla- gen, in ihrer Versammlung zu verweilen, war Deine Lust. Aug' in Auge hast Du Dich ihnen geoffenbart; zwischen den Cheru- bim schränktest Du ein Deine Majestät %x ), die Wolke Deiner

20) Gott räumt durch seine gnädige Vergebung den Pfad, damit die Reuigen zu Gott zurückkehren können. Die hebräische Sprache erschöpft- mit dem^Worte den vollen Begriff der Buße,

des Abmendens von der Sünde; des Umkehrens auf dem bösen Wege, und der Wiedervereinigung mit Gott.

-l) Nach rabbinischer Berechnung siel der Tag, an welchem Moses zum zweitenmale dje Zehngebote und zugleich die Vergebung . Gottes vom Berge herniederbrachte, auf den Versöhnungstag.

Darauf wird hier angespielt. Der ״demüthige Diener" ist Mo- , ses, nach 4 B. M. 12, 3.

22) Die Cherubim, welche ihre Flügel über die heilige Lade aus- breiteten, waren das Sinnbild des waltenden göttlichen Geistes, ׳ der sich hier (2B.M.25,22.) offenbarte. Dieses Herablassen zum Menschen, diese Offenbarung des Unendlichen tn. der Endlichkeit wird hier mit der ״Einschränkung seiner Majestät" bildlich be- zeichnet.