bat sein himmlischer Vater ihn versorgt, und das Auge des Höch^ sten ist Tag und Nacht auf ihn gerichtet, sein Bestes zu fördern» O" erhab'nes Gebilde aus Gottes Hand, Menschensohn, wie hat Dein, Herr Dich vorgezogen; mit welcher Würde hat er Dich bekleidet, welchen Reichthum von Güte an Dir offenbart! Wie hoch bat er Dich gestellt, und zu welchem Danke bist Du ihm verpflichtet!

Und dennoch, wenn wir Dich wieder ansehen, Erdensohn, als welch ein vergängliches Wesen erscheinst Du. und wie möchten wik zuweilen das Thier glücklicher preisen als Dich, den Sklaven glück- sicher׳ alS seinen Herrn! Wie vielen Nebeln, o Mensch, bist Du -unterworfen, wie vielen Leiden ausgesetzt! Eine Schaar von Hin- derniffen umgiebt Dich beständig, und sucht Dich in Schlingen und Netze zu locken, Irrlhümer benebeln Deinen Geist; Leidenschaften bewegen Dein Herz; Krankheiten bedrohen Deinen Leib; Leiden de« lasten Deine Seele. Es wandelt das Thier ruhig seines Weges dahin; an Deinem Wege aber führt die Unruhe .ein Heer von Sorgen an. und sie begleiten Dich; wohin Du gehst. Sobald^Du auf die Erde versetzt wirst, weinest Du, und begrüßest mit schmerz- haften Laut das wechselvolle Leben, wenn Du aber von der Erde wieder weggenominen wirst, dann weinest Du nicht mehr, und lackst nicht mehr, und dahin sind alle Deine Pläne. Deine Kindheit sckon ist von Gefahren umgeben, und die Uebel umstehen sckon Deine Wiege und machen sich vertraut mit Dir. In Deiner Iu- gend reizt die Versuchung Dein Herz, und der Keim zu späteren Gebrecken entwickelt sich in Dir, wie das Korn im Schooß der Erde keimt. Du trittst als Mann oder als Weib in die reiferen Jahre, und die Sorgen um Nahrung und Auskommen sind Dein Wachen und Dein Traum, Dich nicht selten zu Fehltritten und Vergehungen bringend, welche später Dein Herz mit bitterer Reue erfülle». Dann kommen die Jahre der-Schwäche und Hinfällig- keit; der Baum Deines Lebens verdorrt; Zweig um Zweig fallt ab; bis der letzte Sturm den Stamm entwurzelt, und Deine Krone zur Erde-gebeugt wird-

Und das nun sei das Loos des Menschen, des vielgepriesenen Geschöpfes, des göttlichen Ebenbildes? Also solltest Du, Herr, Dein Werk verlassen, und den Du in Aehnlickkeit mit Dir ge- schaffen, den Würmern und Motten Preis geben? werden wir nur geboren, um sterben zu müssen? haben wir den vernünftigen Geist blos erhalten, um den Tod anzusehen, und die Schrecken