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Der selige Bruder Nikolaus von der Flühe.
Wie ein frühes stilles Ziehen tief in Gott den Menschen kehret,
Sein Gemüth in Licht und Liebe friedefelig sich verkläret,
Dann der Geist der Macht und Weisheit in dem Groß' und Kleinen waltet, Innen tempelt, und nach Außen Fried' und Segen sich entfaltet!
Willst Du's schauen, schau des Mannes aus den Bergen großes Leben,
Wie ein Heilquell aus den Tiefen zur Genesung uns gegeben;
Wie ein Kristall vielgestaltig Eins nach Oben, ringsum Strahlen,
O der Alpen schönste Rose duftend frisch auf Höhn, in Thalen!
Glückliches Helvetien, welches den seligen Nikolaus von der Flühe zum Landsmann hat, zum Schützer und Vorbild. In böser Zeit stehst du, o Seliger, wie ein Freudenengel, und über die dunklen Gestalten früherer und späterer leuchtest du — ftrahlenrein und mild — Trost den Frommen. So lange die Eidgenossenschaft den Sinn wahret für deine Tugenden, Gefühl für dein Gemüth, Dank für dein Wirken und Ehrfurcht für die Herrlichkeit deiner innern Welt, so lange wird der Herr der Heerscharen mit ihren Bergen auch die Freiheit erhalten.
Die That des Tapfern ist rühmlich, Willkomm die Kunde deö Weifen; aber ehrwürdig vor allem und lieblich ist der Wandel eines heiligen Menschen.
Zn den Tagen, als in den deutschen und welschen Landen große Wirren herrschten, und in der Kirche Gottes durch die Gegenpäbste Parteyungen entstanden und, um die Einigkeit herzustellen, die Väter in Konstanz versammelt waren, damals, in dem Zahr des Herrn 1417 den 21. März, wurde Nikolaus von der Flühe geboren zu Unter- Nikolaus Geburt, walden ob dem Kernwald unweit Sachslen, und in Kerns durch die heil. Taufe zum Christen geweiht. Unterwalden war ursprünglich der dritte Ort der schweizerischen Eidgenossenschaft; die Eltern von Nikolaus, Heinrich von Flühe und Hemana Robertin, Landleute, schlicht und recht, fromm und gut; ihr ursprünglicher Geschlechtsname soll Löwenbrucker gewesen und erst später von der Flühe, in deren Nähe sie wohnten, in den „von der Flühe" umgewandelt worden seyn. Wie dem immer sey, Nikolaus hatte Löwenmuth und Ernst; der Eidgenossenschaft ward er ein Fels, und als die Leidenschaften wie Wogen brausten, eine Brücke zum Frieden.
Schon als Kind ward ihm ungewöhnliches Selbstbewußtseyn, und sein Herz und Auge richteten sich gerne zu Jugend, den Sternen, wovon, nach alter Ueberlieferung, vorzüglich einer ihm früh leuchtete, und sein Leben durch vertrauet war. Die Sternen-Welt zieht uns gerne über die Erde nach oben; selig, werihreBedeutung ahnet! —
Einfach und verborgen gingen die Kindes- und Knabenjahre unsers Nikolaus vorüber, unbeachtet und still die erste Saat- und Entwickelungs-Zeit in seiner jungen Seele. Durch sein ruhiges, reines Wesen und Wandeln wurde er den Eltern zur Freude und all den Seinigen werth. Ein wunderbarer Zug zog aber den Heiligen früh nach Innen und nach Oben. Der Eindruck der Berge und Thäler, die Ordnung und Arbeitsamkeit des väterlichen Hauses, die Einfalt jener Zeit und Menschen machten ihm früh sein Vaterland mit seinen Sitten und Uebungen lieb und theuer. Je mehr er Jüngling, um desto mehr offenbarte sich seine Neigung nach Einsamkeit und Stille und innerer Einkehr. Oft, wenn er mit den Seinigen von der Arbeit heimging, blieb er zurück, und verharrete an einer abgeschiedenen Stelle in Gebet und Betrachtung. Nie aber versäumte er darüber die Arbeit oder den Gehorsam. Aus dem Munde oder eher aus dem Leben der Eltern empfing er die Mahnung zur Tugend und Frömmigkeit; in der Kirche vernahm er die Lehre des Heils, und dort wurde er in die Geheimnisse der Erlösung eingeführt mit der Kraft und der Einfalt jener Tage. Lesen konnte er nicht; damals noch fanden sich dazu keine Anstalten. Aber um so mehr sammelte er sich im Innern, und der Reichthum und die Regsamkeit seiner innern Welt Seine Schule, ließen ihn früh im Bilde und Gesicht das Tiefste schauen, und das Geheimnisvollste erkennen. Das Gesicht von' der reinen hoch gewachsenen Lilie, über welche sich ein Pferd beugt, sie wegbricht und verschlingt, ist ein ernstes Gleich? niß, wie das Schönste und Reinste, wenn wir es nicht bewachen, von der Sinnlichkeir zerstört wird. Und der Frühes Sehnen, hohe, schöne Thurm, den er ob dem Ranft, zu dem er früh eine besondere Neigung trug, sich erheben sah, war ihm Bild eines Lebens, welches wie ein Thurm, abgeschlossen von feindlicher Einwirkung, auf festem Grund sich freudig in die Himmel erhebt. Ueberhaupt faßte er wie ein sinniger Mensch seine Umgebungen bedeutsam auf.
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